“Schock”-Kampagne gegen Komasaufen

Seit Donnerstag sehen in München die Kinobesucher diesen Clip im Vorprogramm. Er soll schocken und Jugendliche vom Komasaufen abhalten. Initiiert wurde der Spot vom Suchthilfeverein Condrobs. Bevor ihr weiterlest, schaut ihn euch mal an:

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Na und? Geschockt? Zittern euch die Knie? Habt ihr euch jetzt fest vorgenommen, nächstes Mal nicht mehr ganz so tief ins Glas zu gucken? … mehr als ein müdes Lächeln für diesen Spot werden die meisten wohl kaum übrig haben.

Die sichtlich kurz vor dem Koma stehende Protagonistin in diesem Clip lässt, nachdem sie aus einem Taxi ausgestiegen ist, ihren Schlüsselbund auf die Strasse fallen. Ohne zu überlegen, denn völlig vom Alkohol zugedröhnt, hebt sie die Schlüssel auf, als dummerweise ein Auto herannaht und sie frontal erwischt.

Was hat man sich bloss bei diesem mehr als harmlosen Clip gedacht? Nicht ein Jugendlicher wird sich davon auch nur ansatzweise beeindrucken lassen. Es wirkt einfach alles viel zu gestellt, zu tagtäglich, und von Erwachsenen produziert, die keine Ahnung haben, was in den Jugendlichen vorgeht.

Damit ein Clip schockt, muss man sich als Zuschauer doch in irgendeiner Weise emotional angesprochen fühlen, man muss sich darin wiedererkennen können, sich vielleicht dabei an schon Erlebtes erinnern. Die Bilder müssen sich festsetzen in den Köpfen derer, die damit angesprochen werden sollen. Alles das lässt der Clip vermissen.

Ein was das angeht grandioses Beispiel ist dieser Clip aus England, der auf die Gefahr von Handys am Steuer aufmerksam machen möchte. Das ist ein Clip der schockiert, der unter die Haut geht, der einen zum Nachdenken bringt, und dessen Bilder sich einbrennen, sodass man sich vielleicht bei der nächsten Autofahrt daran erinnert:

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Also lieber Suchthilfeverein Condrobs: Euer Clip dürfte ungefähr so harmlos und für Jugendliche beeindruckend sein wie “Komasaufen verboten”-Schilder vor den Kneipen. Wenn man sich schon vornimmt zu schocken, dann muss man sich auch ein paar Gedanken dazu machen, wie man dieses Ziel am besten erreicht. Einen Unfall zu zeigen, der auch ohne jeglichen Alkoholeinfluss hätte passieren können und jegliche Authentizität vermissen lässt, beeindruckt nun wirklich niemanden.

Und wenn schon Geld in die Hand genommen wird, um so einen Spot zu drehen, dann muss es auch noch drin liegen, zuvor den Spot vielleicht ein paar Jungendlichen vorzuspielen und diese um ihre Meinung zu bitten. Und dann wäre man nämlich schnell zu der Erkenntnis gekommen, dass man sich das Geld, was so eine Kinowerbung kostet, locker hätte sparen können.

via Annubis und TZ


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