10 Fragen an…Nisse

Nisse ist, wer Ihn nicht kennt, ein deutscher Musiker der sehr lange Zeit unter dem Radar geflogen ist. Dann aber wurde er erfasst. Mit seinem ersten Album „August“ hat Nisse sich vor zwei Jahren in die Köpfe und auch Herzen von Fans der Liedermachkunst gesungen. Ich habe Nisse das erste Mal im Haubentaucher in Berlin Friedrichshain gesehen und gehört. Seine Gabe, tiefgründigen Text mit schönen Beats zu verbinden, hat mich sehr beeindruckt. Der Gig im Haubentaucher war nur kurz, aber intensiv. Er wirkte lange in mir nach. Das Album „August“ habe ich regelrecht verschlungen. Es gibt wenige deutsche Musiker, die mich so umgerissen haben, wie Nisse es geschafft hat.

Und nun, zwei Jahre später, kommt Nisse mit einem großen „Ciao“ um die Ecke. Backflash. Ein guter Zeitpunkt, ihn mit unseren zehn Fragen zu löchern. Nisse Ingerwersen – ein Liedermacher und Schreibkünstler der besonderen Art. Nehmt euch Zeit für diese Zeilen und lasst euch einfangen – so wie es mich gefangen hat. Am Ende gibt es auch noch eine kleine Überraschung.

Wie und warum bist du Musiker geworden, und woher nimmst du deine musikalischen Einflüsse ?

Nisse:
Boah, das ist schon eine sehr weitreichende Frage, aber ich versuche es mal zusammenzufassen. Ich habe ca. 1997 mit Scratchen auf dem Plattenspieler meines Vaters begonnen. Bis ich den kaputt gemacht habe, da der dafür natürlich gar nicht ausgelegt war. Ab 1998 habe ich gerappt, und die Mucke und die Kultur von damals nahmen immer mehr Platz in meinem Leben ein. Das Breaken, DJing, Rappen und Sprühen hat Energien freigesetzt und alle, die dazugehörten, wie zu einer Art geheimen Orden verbunden. Da war das in Deutschland noch nicht so in der Mitte der Gesellschaft angekommen wie heute.
Die Dinge, die in meiner Musik stattfinden, sind letztlich nur Geschichten oder Empfindungen, die ich erlebt habe. Wenn man sich mit seinem eigenen Leben oder Umfeld beschäftigt, gibt es schon genügend Themen und Gefühle, die man beschreiben kann. Und das versuche ich, so direkt, aber auch so ungeschönt wie möglich.

Dein erstes Album „August“ hat mich direkt abgeholt und nach dem ersten Listening im Haubentaucher war ich komplett dabei. Wie kam es zu dem Namen „Nisse“ und dem des ersten Albums ?

Nisse:
Danke! Nisse haben meine Eltern mich schon immer genannt. August ist Teil meines Namens, aber auch mein Geburtsmonat und der Name meines Großvaters. Außerdem ist es der schönste Monat für mich, weil er die Freiheit und Wärme des Sommers in sich trägt, aber auch die schöne Melancholie des Herbstes einläutet.

Deine Erste Tour mit „August“ war …?

Nisse:
… mega! Vieles, was auf der Tour geschehen ist, werde ich für immer in Erinnerung behalten. Man muss es aber live gesehen haben, um zu verstehen, was meine Shows ausmachen.

Du bist Hamburger. Hamburg aus meiner Sicht ist rau, ehrlich, regnerisch, dreckig, künstlich und echt zur gleichen Zeit, aber auch brutal ehrlich. Was ist und bedeutet Hamburg für dich ?

Nisse:
Hamburg ist meine Heimat und, um dem Klischee gerecht zu werden, für mich die tollste Stadt in Deutschland. Es gibt schönere Städte, kleinere und größere, aber der Mix aus arm und reich, grün und grau, schön und hässlich ist nirgendwo anders so intensiv. Alle anderen Punkte, die Du genannt hast, kann ich nur bestätigen. Eine Stadt, die nicht am Meer liegt, aber so viel Wasser und freien Flächen bietet, ist schon sehr besonders. Außerdem ist sie die Inspiration zu fast allen Songs von mir.

Wenn es Helden in deinem Leben gibt, welche sind das?

Nisse:
Meine Großeltern und Eltern zählen sicher dazu, aber auch viele andere Leute aus meiner Familie und meinem Freundeskreis. Jeder, der es probiert und schafft, sich selbst zu lieben, seine Wünsche zu verwirklichen und noch aufmerksam genug ist, anderen Menschen zu helfen und Güte zu zeigen, ist für mich schon ein sehr tapferes Geschöpf.

Das Label Four Music ist in der Deutschen Musikszene eine unfassbar gute Institution mit tollen Künstlern wie Marteria, Jennifer Rostock, Ace Tee oder OK KID, um nur einige zu nennen. Erinnerst du dich an deinen ersten Gedanken oder dein erstes Gefühl, als sie dich zu Four Music geholt haben ?

Nisse:
Ich habe sehr lange an der Branche, an meinem Platz in der Branche aber auch an meinem Platz im Leben gezweifelt. Ich habe nie aufgegeben und auch nie mein eigenes Können oder Nichtkönnen verleugnet. Ich mache schon seit 22 Jahren Musik, aber die ersten 15 Jahre lief es nicht gut für mich. Irgendwann habe ich beschlossen, sehr viel optimistischer und mit mehr Vertrauen durch den Tag zu gehen. Und dann habe ich mir selbst gesagt, ich mache jetzt diese Demos, gehe da hin und bekomme den Deal. Und so kam es auch. Ich kenne nur sehr wenige, die so einen langen Atem haben wie ich, was das angeht. Ich habe das erste Mal nach 15 Jahren Geld mit Musik verdient und bin sprichwörtlich vom Lagerarbeiter zum Songwriter-/Producer-/Künstler-Dasein gekommen.

Du bist ein, so wie ich es aus deinen Texten höre, sehr emotionaler Mensch. Was ist dir bei einem Menschen, den du in dein Leben lässt, absolut wichtig?

Nisse:
Aufrichtigkeit und die richtige Energie. Ich brauche nicht mal Menschen, die immer und überall ehrlich sind. Sag mir das, was Du glaubst sagen zu müssen, die Wahrheit kommt eh raus. Ich bin kein Heuchler, ich versuche auch immer wieder, mit kleinen Lügen Menschen zu schonen und ihnen ein gutes Gefühl zu geben. Aber ich finde es wichtig, aufrichtig zu sein, zu sich selbst zu stehen und anderen Leuten Energie zu geben, statt sie zu nehmen.  Ich habe leider auch sehr viel Zeit und Energie an Menschen verloren, die nicht zu mir und meinem Umfeld gepasst haben.

Queen oder Rio Reiser ?

Nisse:
Queen, aber auch nur, weil die zehn mal mehr krasse Songs gemacht haben als Rio. Da ich sowas eigentlich nicht vergleichen kann oder will, muss ich hier stumpf über die Quantität gehen.

Ich sehe immer wieder so viele tolle positive Kommentare zu deinen Konzerten oder dem neuen Album „Ciao“. Du sagst in „Nie wieder“ vom Album „Ciao“, du willst nicht jedem gefallen. Aber wenn es, wie überall, doch mal negative Kommentare dazu gibt, wie gehst du mit diesen Meinungen dann um ?

Nisse:
Meinungen aus dem Netz sind mir unglaublich egal. Und das meine ich wirklich so. Ich kann gar nicht beschreiben, wie egal mir das ist. Die positiven Kommentare freuen mich, und die negativen habe ich zwei Sekunden später schon wieder vergessen. Wenn es konstruktiv ist, kann ich das ernst nehmen. Aber ich glaube, es kam noch nie eine konstruktiv-negative Kritik. Eher so etwas wie „Warum machst Du mit Bill einen Song, der ist voll scheisse“ oder „Du klingst wie …, nur in schlecht“. Wenn man dann auf die Profile der Leute geht, was an sich schon Zeitverschwendung ist, und dann sieht, was die für Musik machen oder hören, ist das Thema auch direkt erledigt.

Du hast mal bei Insta eine kleine Aktion gemacht, bei der du einfach Leute aus der Stadt, in dem Fall Berlin, im Auto mitgenommen hast. War da ein bisschen Angst dabei, dass es eventuell schief gehen könnte? Welcher Fahrgast hat dich am meisten beeindruckt ?

Nisse:
Nein, das müssten schon sehr sehr verrückte Menschen sein, dass ich da Angst bekäme. Ich habe schon eine Menge unterschiedlicher Leute in meinem Leben kennengelernt und glaube, das ganz gut einschätzen zu können. Schlimm wäre nur gewesen, wenn ich jemanden angefahren hätte, während wir im Live-Stream waren. Ich fand alle Leute toll.  Vor allem hat mich beeindruckt, wieviele sich gemeldet haben. Ich würde das gerne öfter machen, aber mir fehlt immer die Zeit für solche Dinge, die nichts direkt mit der Musik zu tun haben.

Noch fünf kurze Fragen, weil es so schön war:

Das zweite Album rauszubringen war für mich wie
Nisse: … das erste, nur noch intensiver und mit mehr Erfahrung.
Deutsch zu singen bedeutet für mich
Nisse: … ohne Umwege das vermitteln zu können, was ich fühle.
Matthias Schweighöfer ist Freund und
Nisse: … ein weitaus vielschichtigerer Mensch, als man glaubt.
Ich würde gerne mal ganz allein
Nisse: … mit Emma Stone abhängen. Ich tippe, dass sie wirklich einer der lustigsten Menschen des Planeten ist.
Das Beste, was mir in meinem Leben bisher passiert ist…
Nisse: … das Licht der Welt zu erblicken.

Vielen vielen Dank an Nisse, dass er sich die Zeit für dieses Interview genommen hat.

Na…was gewinnen??

Wir verlosen zwei Alben von „Ciao“. Teilt und kommentiert dieses Interview bis zum 15.5.19 und gewinnt wunderbare Musik.

Bis zum nächsten „10 Fragen an…“.

Hajo

9 Kommentare

  1. huhu mitstreiter :D und natürlich du ^^
    tolles gewinnspiel, was mir persönlich meeeeeeeeega gefällt und deswegen bin ich mal mit im lostopf und drücke feste die daumen.
    sollte es jetzt aus nem banalen grund nicht klappen, wie zb. jemand anderes wird von der glücksfee gezogen, :D na dann bin ich zwar trotzdem zu tode betrübt, weine mich mindestens 4 wochen in den schlaf, werde schlank und wunderschön, weil mein magen streikt….aber würde mich dennoch für den gewinner dann freuen.
    ich höre jetzt auf, weiter blödsinn zu schreiben, denn ich esse vorsichtshalber schonmal 3 kilo vor :D
    neeeeeeeeeeeein, ich will gewinnen ^^
    lg aprilherzchen@gmx.de

  2. Tolles Gewinnspiel der Kommentant über mir hat denke ich dezent übertrieben, ich wünsche aber dennoch Glück, mir aber auch…
    Ab in den lostopf mit meinem Namen, lieber Grüße TIZIA

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