10 Fragen an… Kongo und Stevie vom Barrio Skateshop Berlin

Hallo und ein freundliches Wiederlesen, liebe Freunde. Alle bekommen es mit und keiner will es wahrhaben – der Sommer neigt sich seinem Ende zu. Auch uns gefällt das nicht. Deshalb wollen wir euch heute mit einem neuen „10 Fragen an…“-Interview erfreuen.

Diesmal habe ich mich mit Kongo und Stevie vom Barrio Skateshop in Berlin getroffen. Mittlerweile ist dieser Shop, im Herzen von Friedrichshain, einer der letzten „Core – Shops“* die in Berlin noch existieren.

Kongo, den Geschäftsinhaber, kenne ich schon etwas länger. Vor einigen Jahren habe ich sogar mit ihm zusammen in einem Skateshop gearbeitet. Kongo ist ein Urgestein der deutschen Skateboardszene. Er hat den ganzen Schwung des Sports, als dieser aus den USA zu uns überschwappte, von Anfang an mitbekommen, mitgenommen und lebt ihn bis heute. Lieblingsdisziplin – Vert und Bowl.

Stevie ist im Barrio als zweiter Mann am Start, seitdem dieser noch ein Zoo-York-Laden war. Stevie, auch ein bekennender Vert-Fahrer, ist ein umgänglicher und smarter Dude. Er hat Spaß an dem was er macht und lebt und liebt Skateboarding genauso wie sein, wie Stevie sagen würde, zweiter Dad Kongo. Stevie kam aus dem Süden des Landes nach Berlin und ist nach einigen Zwischenstationen bei Kongo gelandet. Die beiden ergänzen sich sehr gut. Stevie ist in der Berliner Szene gut vernetzt ist und spricht so das junge Publikum an, das von Kongos Erfahrungen und Wissen profitieren kann.

Ich erinnere mich noch genau an die Eröffnung. Es waren einige Leute da, es wurde gegrillt und das eine oder andere Bier floss durch unsere Kehlen. Zudem wurden Tattoos „verlost“, die man sich live vor Ort stechen lassen konnte. Verrückt, oder? Und nun ratet mal, wer nach ein paar Bier zu viel jetzt ein „Barrio“-Tattoo hat! Genau, der Schreiberling hier.

Zusammen haben Stevie und Kongo, aus einer guten Laune heraus, das Label „Speed-Rats“ gegründet, bei dem Stevie dann sein Pro Model* bekam. Wie aber das alles genau passierte, erfahrt ihr hier im Interview. Viel Spaß beim Lesen.

*( Anm.d.R. Pro Model = Skateboard mit dem Namen des Teamfahrers darauf.  *Core-Shop = reiner Skateboard Shop und nicht zugehörig einer großen Kette wie z.B. Blue Tomato, Titus etc. )

Wann und wie seid ihr das erste Mal mit der Kultur Skateboarding in Kontakt gekommen?

Stevie:

Eigentlich schon als kleines Kind, mit sechs oder so, als damals die ersten Filme wie „Zurück in die Zukunft“, „ET“, „Police Akademie“, „Die BMX Bande“ usw. im Fernsehen liefen. Sprich, ich war immer voll begeistert, wenn ich irgendetwas „Cooles“ sah, was extrem war und nach viel Spaß aussah. Ich spielte damals viel die Demo-Version von „Tony Hawks Pro Skater“. Ich hab ein halbes Jahr lang meine Mutter nach einem Skateboard angebettelt. Ich bekam dann die Vollversion, kein Skateboard. Aber dann endlich mit 11 gab es das erste Kaufhausbrett und ab da ging’s ab.

Kongo:

Mit Skateboarding bin ich 1976 durch einen Schulfreund in Kontakt gekommen. Danach habe ich meine Eltern solange genervt, bis ich endlich ein Skateboard bekommen habe. Das war ein Kaufhausboard für 40 DM. Zwei bis drei Wochen später habe ich angefangen, meine alten Spielsachen auf dem Flohmarkt zu verkaufen, um mir mein erstes richtiges Skateboard kaufen zu können.

Was bedeutet euch Skateboarding und wie hat es bis heute eure Lebensweise beeinflusst?

Steve:

Es ist für mich nicht nur ein Hobby, sondern eine Lebenseinstellung. Es beeinflusst alle Vorgänge in meinem Leben. Ich habe gelernt, mit stressigen Momenten umzugehen, Glücksgefühle zu beherrschen und den Ausgleich von Körper, Geist und Seele hinzubekommen. Durch das Skaten habe ich erfahren, dass selbst negative Dinge positive Auswirkungen haben können. Und ich habe gelernt, niemals aufzugeben, wenn ich am Boden liege, sondern immer wieder aufzustehen es so lange zu versuchen, bis es klappt.

Kongo:

Skateboarding ist für mich ein Lebensgefühl und hilft mir, immer wieder Grenzen auszutesten und Stress abzubauen. Ich bin genervt und unausgeglichen, wenn ich länger nicht skaten konnte. Egal, ob Miniramp, Vert Ramp oder einfach von A nach B fahren. Die einzige Hauptsache ist, das ich skaten kann.

Euer erstes Set Up hattet ihr wann in den Händen und welches war das?

Stevie:

Wie schon erwähnt – schenkten mir meine Eltern nach Jahre langen betteln und Beten 2011, ein paar Wochen vor den Sommerferien, ein Kaufhaus Brett für 30€. Schön mit Plastikrollen, Aluminium Achsen und Pressholz mit einer „coolen“ Skyline drauf. Das hat auch dementsprechend lang gehalten hat – also max. zwei Wochen. Wonach ich dann auch erstmal kein neues „Spielzeug“ kriegen sollte. Aber wie man so schön sagt der Weg ist das Ziel, und somit hab ich mich dann vorübergehend bei Freunden durch geschnorrt und natürlich versucht sorgfältig mit meinem Stuff umzugehen. Aber wenn ich mich genau erinnere, war mein erstes richtiges Board von „The Firm“ vom Pro Javier Sarmiento.

Kongo:

Mein erstes Board war für ca. 2-3 Wochen ein Kaufhausboard dann kam ein Calypso Holzboard.

Skateboarding wurde nach dem Erscheinen von Tony Hawks Videospielen, nach einer kleinen Flaute, wieder mehr und mehr gehyped. Wie seht ihr den aktuellen Stellenwert von Skateboarding im Moment. Eher Hype oder doch noch Subkultur?

Stevie:

Beides. Hype und auch Subkultur. Aber das gab es schon immer beim Skaten. Die „Core“-Szene sagt auch heute noch selbstbewusst, dass die Industrie abhängiger ist von den Leuten, die es leben, als umgekehrt.

Kongo:

Die Skateboardszene ist zweigeteilt. Zum einen gibt es die Contestfahrer, und zum anderen die Gruppe, die einfach aus Leidenschaft skatet. Beides hat seine Daseinsberechtigung. Man muss halt selbst für sich entscheiden, was einem wichtiger ist. Irgendwie gibt es beides, Hype und Subkultur. Die Bandbreite geht heute vom reinen Hallen- und Skatepark-Kid bis hin zu den DIY-Jungs, die lieber alles selber bauen und der Spots selber skatebar machen.

Mit dem Label „Speedrats Wheels“ habt ihr euren eigenen Brand ins Leben gerufen. Wofür steht „Speedrats“ und was ist die Philosophie dahinter?

Stevie:

Speedrats ist eigentlich nur der Versuch, eine alte Skateboard-Tradition weiterleben zu lassen. Wir gestalten einen neuen Brand, der nicht darauf abzielt, die dicke Kohle zu machen, sondern mit interessanten Individualisten eine gute Zeit zu haben. Und eben jene Boys auch mit guten Brettern, Rollen und Klamotten zu versorgen. Wir stehen mit unserem Namen dafür, worauf wir Bock haben. So wie es einmal war, als man Skateboarder noch an ihren individuellen Styles erkennen konnte. Heute trägt jeder Vans, Thrasher-T-Shirts usw., aber viele von ihnen kennen die Geschichte dahinter gar nicht. Deswegen wollen wir uns von dem Mainstream abheben mit einem eigenen kleinen Brand. Der wird dann an Homies verteilt, die was drauf haben oder die sich mit der Sache identifizieren können. Denn so teilt man nicht nur Leidenschaft, sondern hat auch das Gefühl von Gemeinschaft.

Kongo:

Speedrats ist ein bunt zusammengewürfelter Haufen von Individualisten, die Spaß am Skaten haben! Contest und Contestergebnisse sind dabei vollkommene Nebensache.
Eine wirkliche Vision, was Speedrats ist oder werden soll, hatte ich eigentlich am Anfang nicht. Es war einfach nur der Wunsch, endlich nicht immer suchen zu müssen, um für mich brauchbaren Stuff zu bekommen. Zu der Zeit war ein 8er Deck noch eine Seltenheit, von einem Shapedeck ganz zu schweigen. Und Rollen über 54 mm waren so gut wie gar nicht zu bekommen. Der Name Speedrats entstand auf einem Skatetrip nach Düsseldorf.

Wir alle wissen, dass das Label Supreme den Markt mit HypeFashion und diversen Kollaborationen den Markt aufmischt. Welche Konzepte oder Kollaborations verfolgt ihr? Oder ist das eher uninteressant für einen Core Shop wie Barrio?

Stevie:

Kollaborationen sind als unabhängige Core-Firma kaum noch wegzudenken. Man muss interessant bleiben, indem man mit dem Zeitgeist geht. Alter Berliner Spruch – „Wer nicht jeht mit der Zeit, der jeht mit der Zeit“. Der Verknappungseffekt macht die Sache so interessant für viele. Wenn zwei Firmen eine Kollektion zusammen rausbringen, die limitiert ist, ist das interessanter als die Sachen, die jeder hat. Das zieht und der Mehraufwand lohnt sich.

Kongo:

Kollaborationen sind schon wichtig, aber nicht auf Teufel komm raus mit jedem! Ich will nicht meine Seele verkaufen, um Geld zu machen. Das ist nicht meine Vorstellung vom Skatebusiness.

Warum habt ihr euch bewusst dazu entschieden, keinen Online-Shop zu machen?

Stevie:

Der Gedanke, da mitzuziehen, war schon da. Allerdings sind wir von der alten Schule und vertreten aus Prinzip lieber den stationären Handel. Wir als Shop müssen ja auch online Stuff bestellen, und das in größeren Mengen. Aber selbst wir bekommen nicht immer das, was wir eigentlich wollten. Obwohl wir eine Stange Geld bezahlen und die Produkte vorher genau unter die Lupe nehmen. Außerdem gibt es schon genug Onlinehändler, daher halten wir uns da lieber raus.

Kongo:

Wir propagieren schon immer den stationären Handel, da im Internet viel zu viel Schrott verkauft wird und leider keine richtige Beratung stattfindet.

Barrio bedeutet übersetzt soviel wie Nachbarschaft, und in der Nähe befindet sich auch die Skatehalle. Ist der Barrio schon das Wohnzimmer der Locals?

Stevie:

Genau deshalb lieben uns unsere Kunden. Sie kommen vorbei, checken den neusten Stuff, und wenn es angebracht ist bekommen sie noch ein kleinen News Flash über die neusten Tricks, Skateparks, Klamotten usw. Nebenbei dient der Shop auch als Treffpunkt, um dann zu irgendwelchen Spots loszugehen. Der Shop ist auf jeden Fall mehr als nur Verkaufsfläche. Wir übernehmen die soziale Verantwortung, dass jeder happy wieder rausgeht.

Kongo:

Wir sind irgendwas zwischen Sozialstation, Auffanglager für in Berlin gestrandete Skater, Treffpunkt für alle – ach ja, und nebenher auch Shop.

Seid ihr beide noch anderweitig aktiv, um Skateboarding in Berlin zu supporten und um den Shop weiter zu pushen?

Stevie:

Ja. Ständig gibt es Contests, Videopremieren, Messen, Shows, Skatekurse und Charityveranstaltungen, wo wir uns gerne einklinken, um diese Projekte zu unterstützen. Wir organisieren Sponsoren oder treten sogar selbst als Sponsor auf.

Kongo:

Wir unterstützen immer wieder Events mit Preisen und organisieren auch eigene Events, wie z.B. den Dawn of the Shred Contest!

Den Shop gibt es seit mittlerweile über fünf Jahren. Was hat sich in der Zeit aus eurer Sicht als Shopbetreiber in Sachen Skateboarding verändert?

Stevie:

Ich sag ja, wir machen es so wie gewohnt und daher gibt es wie bei allen Dingen im Leben immer ein „Up and Down“. Aber wirklich beklagen können wir uns persönlich nicht. Skateboarding ist in seiner Geschichte an einem noch nie dagewesenen Punkt angelangt, wo wir einfach nur mitspielen können und versuchen, das Kind in uns noch ein bisschen weiter leben zu lassen. Hier ergeben sich die Dinge dann von selbst. Da muss man nicht unbedingt seinen Skateshop zu einem Sneakerstore umwandeln, noch 19 Longboards reinstellen und sich dann wundern, wenn es dann doch scheitert.

Kongo:

Skateboarding wächst stetig und entwickelt sich immer weiter, was es eigentlich nie langweilig werden lässt. Negativ ist leider aber auch der Einfluss von großen Konzernen in der Szene allgemein, die sich leider nicht wirklich um die lokalen Interessen kümmern.

So hier ist noch Platz. Möchtet ihr den Rabauken da draußen noch einen Ratschlag mit auf den Weg geben?

Stevie:

Bei uns sind immer alle herzlich willkommen. Kommt vorbei oder checkt unsere Instagram-Seite. Wir sind für alle Skateboard-Fragen offen. Shout out to the „Bänke Crew“ (Anm.d.R.: Das ist der Mittelstreifen auf der Warschauer Straße). Wenn ihr Bock habt, mit mir und Kongo oder den Lokals ne Runde zu drehen, dann findet ihr uns da. Oder ab und an mal in der Skatehalle Berlin, dem Dogshit Spot oder an sonst irgendwelchen skatebaren Plätzen Berlins. Also – keep it real, keep it clean, and than relax. Peace Stevie

Kongo:

Geht einfach raus skaten, am besten mit Freunden, und habt eine gute Zeit. Grüsse an alle. Kongo

Vielen Dank noch mal an die beiden Jungs. Also wer einen guten und realen Skateshop in Berlin sucht sollte ab ins Barrio. Wer es noch diese Woche schafft und zufälligerweise das auch noch am 22.09.18, kann bei der Videopremiere von „Real Skateboards“ dabei sein. Die Jungs veranstalten dort eine kleine Premierenfeier. Wie das Ganze ausschaut erfahrt ihr wenn ihr gegen 19 Uhr da seid.

Wir lesen uns wieder zum nächsten „10 Fragen an…“ Interview.

Hier bekommt ihr noch ein paar Impressionen von den Jungs und dem Barrio Skateshop.















Copyright Images Barrio Skateshop I Klonblog

Barrio Skateshop, Simon-Dach-Straße 23, 10245 Berlin I Tel: 030.85746609

2 Kommentare

  1. Richtig coole Dudes. War letztens dort im Laden und war sehr entspannend und die beiden haben echt Ahnung. Man merkt das sie Skateboarding leben. Gerne mehr solcher Interviews.

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