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Einmal Venedig und zurück: Der Porsche 718 Boxster im KlonBlog-Test

KlonBlog auf Tour Wir testen - 8. Sep. 2016 // 1 Kommentar

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Endlich war es so weit! Der renommierteste deutsche Sportwagenhersteller bot uns eine Testfahrt in einem seiner neusten Modelle an. Wir, viel mehr ich, durften den neuen Porsche 718 Boxster eine Woche lang Probe fahren und so viel kann ich schon mal sagen: es hat sehr viel Spaß gemacht! Der Boxster bekam mit dem Modelwechsel 2016 die Nummer 718. Diese Nummer ist keine Unbekannte, sondern stammt von einem Rennwagen der 60er Jahre. Mit diesem Urvater verbinden den neuen Boxster die Grundkonzepte: Leichtbau, Mittelmotor und Vier-Zylinder-Boxer mit Turbo-Aufladung. Womit wir auch schon beim Knackpunkt des 718ers wären – der Vier-Zylinder-Motor. Wenn man der einschlägigen Fachpresse glaubt, ist das der Makel. Ich wollte da meine eigenen Erfahrungen sammeln.

Als Ziel meiner Ausfahrt mit dem Porsche 718 wählte ich, ganz bescheiden, Venedig. Ok man kann dort nicht wirklich Auto fahren und auch nicht parken, wie sich später heraus stellte. Aber der Weg ist das Ziel und der geht über die Alpen, d. h. Pässe mit unendlichen vielen scharfen Kurven und Küstenstraßen an der Côte d’ Azur und das Ganze wieder zurück. Los ging es an einem Freitagmorgen in Zuffenhausen im Porsche Werk 1. Dort sollte ich den Boxster abholen. Am Empfang nannte ich meine Kontaktperson und etwa 10 min später saß ich in einem schneeweißen, süßen kleinen Cabrio. Leider war das Wetter nicht entsprechend, so dass das Verdeckt erst mal zu blieb. Zugegeben hat man im ersten Moment auch andere Gedanken. Zum ersten Mal im Porsche hat man erst mal Respekt und schaut, ob alle wichtigen Bedienelemente da sind, wo man Sie vermutet. Im Cockpit des 718ers sind porschetypisch recht viele Schalter, was aber den Vorteil hat, dass man viele Funktionen direkt anwählen kann. Dazu zählen die Klimabedienung, diverse Sonderfunktionen, wie z.B. die Klappensteuerung im Auspuff oder die Einstellung des Fahrwerks. Und dass das Zündschloss links neben dem Lenkrad ist, wusste ich natürlich, man bereitet sich ja vor!

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Die erste Etappe war die A8 von Stuttgart nach München. Dem Wetter schien es egal zu sein, dass ich Cabrio fuhr, es schüttete wie aus Eimern. Plötzlich einsetzender Starkregen und eine Brückendurchfahrt sorgten dann auch für den ersten Adrenalin-Stoß. Die Sicht sank plötzlich auf Null, man sah nur noch schemenhaft rote Bremsleuchten voraus und ich versuchte zu bremsen. Aber für den kleinen Porsche mit seinen 1300 kg und den breiten 265er Reifen war es offensichtlich zu viel Wasser auf der Straße, so dass das ABS eingriff und ich nur noch hoffen konnte, dass keiner der anderen Verkehrsteilnehmer überreagiert und stehen bleibt. Ok, es ist nichts passiert, aber ich machte mir schon ein paar Gedanken und fuhr erst mal etwas zurückhaltender. Meine Vermutung ist, dass durch das geringe Gesamtgewicht und den Mittelmotor wenig Gewicht auf der Vorderachse liegt und das Fahrzeug dadurch leichter zu Aquaplaning neigt.

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Auf den ersten Metern Autobahn wusste ich dann auch, was die Kollegen aus der Fachpresse gegen den Motor hatten. Der 2 Liter Motor hatte bis 4000 Umdrehungen nicht wirklich viel Kraft, bei 130 km/h im siebenten Gang beschleunigte er quasi gar nicht. Man musste das Gaspedal schon etwas kräftiger betätigen, damit das 7-Gang PDK (Porsche Doppelkupplungsgetriebe) mitbekommt, dass man beschleunigen möchte. Dann schaltete es ein oder zwei Gänge runter und ab etwa 4000 Touren ging es los und dann auch mit ordentlich Vorschub und einer entsprechenden Geräuschkulisse. Diese endet erst bei etwa 7500 U/min. Das war zugegeben etwas gewöhnungsbedürftig, bei meinem V 6 Turbo Diesel beginnt der rote Bereich da, wo bei unserem Boxster die Beschleunigung erst los geht. Am nächsten Tag hatte ich dann etwas mehr Glück mit dem Wetter, die Sonne schien und die Temperaturen gingen in Richtung 20 Grad: Cabrio Wetter! Also erst mal das Verdeck einfahren. Dafür benötigt der 718 etwa 9 Sekunden und man kann es bis zu einer Geschwindigkeit von 60 km/h oder per Fernbedienung ein- und ausfahren. Endlich sah der Porsche auch richtig gut aus, die Formen des 718 passen einfach besser zu einem Cabrio.

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Das erste Ziel war die Großglockner Hochalpenstraße, einer der wenigen Pässe, die ich noch nie mit einem motorisierten Fahrzeug passiert habe. Sie verbindet die Orte Zell am See/Kaprun und Heiligenblut und ist von Ende Oktober bis Anfang Mai komplett gesperrt und zum Teil in die dortigen Skipisten eingebunden. Am Beginn der Straße ist eine Mautstelle, das war mir bekannt, aber dass die Benutzung satte 35 € kostet nicht. Aber gut, wir fahren Porsche, da spielt Geld natürlich keine Rolle und ich war entsprechend aufgeregt. Der erst Pass mit dem Porsche, überhaupt der Pass mit vier Rädern, statt sonst mit zwei. Ob der Porsche den Motorrädern Konkurrenz macht oder gar davon fährt? Nun stelle sich aber die Frage, wie fährt man denn so einen Pass, also in welchem Fahrprogramm? Der 718 verfügt über einen Drehregler am Lenkrad mit dem man zwischen 4 Fahrprogrammen wählen kann: „Normal“, „Sport“, „Sport plus“ und „individuell“. Das Erste schied natürlich aus, wer will schon normal fahren. Dieses Programm kann man zum Cruisen oder auf der Autobahn verwenden, aber definitiv nicht jetzt.

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Für „individuell“ hätte ich vermutlich die Anleitung lesen müssen, dafür war jetzt leider keine Zeit. Blieb also nur Sport / Sport plus. Und auch diese Auswahl war schnell gefunden, der Sound der optionalen Sportauspuff-Anlage war im Sport Modus lauter und satter als in Sport plus. In dem Moment war mir allerdings nicht ganz klar warum, in der Mittelkonsole war ein Schalter mit einem Auspuffsymbol, wenn man diesen drückte, änderte sich der Sound. Es schien eine Klappe im Auspuff zu öffnen. Warum das aber einen Unterschied machte in welchem Fahrprogramm ich bin? Beim späteren Studium der Bedienungsanleitung stellte sich heraus, dass die „Backfire“ Funktion nur im Sport Modus aktiv ist. Dabei wird beim Abtouren, also wenn man den Fuß vom Gas nimmt, noch etwas Sprit eingespritzt, der dann im Auspuff verbrennt und diese schönen Blubber-Geräusche erzeugt.
Also ging es dann los, Schalter auf S und Schalthebel nach links, auf manuell und ab die Post. Und meine Erwartungen waren nicht überzogen, eine Spitzkehre folgt der andern und der Porsche lag wie das sprichwörtliche Brett auf der Straße. Durch nahezu optimale Gewichtsverteilung des Mittelmotor Sportwagens fuhr sich der Wagen überraschend einfach um die engen Kurven. Wobei sich die Frage stellt, ob man hier von Gewicht sprechen kann, mit seinen 1,3 Tonnen ist der Porsche ein echtes Leichtgewicht und das merkt man in jeder Kurve. Und auch der Motor macht jetzt Spaß, wenn man die Spitzkehren im 1. Gang fuhr und dann bei etwa 7000 Touren in den nächsten Gang wechselte, hatte man eine fast unterbrechungsfreie Beschleunigung. Viel Schalten war aber nicht nötig, da man im 3. Gang schon deutlich über 100 km/h fuhr.

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Leider steckte die Spitze des Großglockners in einer dicken Wolkendecke, so dass ich auf den letzten Metern nicht mehr viel sehen konnte. Ein Gipfelfoto musst natürlich trotzdem sein. Als Motorradfahrer ist man es gewöhnt zu grüßen, was in den Bergen manchmal nervt, denn es kommen einem alle 2 Minuten Motorradfahrer entgegen. Als Autofahrer macht man das eher weniger – aber als Porsche-Fahrer? Man grüßt! So wie ich es verstanden habe, aber nur auf engen Bergpässen. Zumindest wurde mein Gruß im Flachland nicht erwidert.

Danach ging es dann weiter Richtung Süden, das Tagesziel war Venedig. Um nicht zu viel auf italienischen Autobahnen zu fahren, baute ich noch den Plöckenpass in meine Route ein, der liegt nicht wie man denken könnte in Österreich, sondern schon in Italien. Von dort aus ging es dann bis nach Treviso, eine italienische Kleinstadt ca. 20 km vor Venedig. Dort wurde das Navigationssystem zum ersten Mal benötigt. Unser Testwagen war mit dem PCM in der vollen Ausbaustufe ausgestattet, d. h. Festplattennavigation, Digitalradio, Internetanbindung per SIM oder SAP, was mit meinem Androidtelefon reibungslos funktionierte.

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Die Internetverbindung ermöglicht eine Google-Maps basierte Kartendarstellung mit Satellitenbildern und einen Internetzugang per WLAN für im Fahrzeug befindliche Geräte. Es können also alle ins Netz, der Porsche und seine Mitfahrer. Bei aktivierter Google-Maps Darstellung ruckelte die Karte leider relativ stark und erinnert an das Audi MMI von 2011, vielleicht gibt es hier noch Optimierungsmöglichkeiten in der Software. Porsche bietet noch die Möglichkeit bestimmte Funktionen des Fahrzeugs per App zu steuern. Diese konnte ich leider nicht testen, da die App einen Aktivierungscode verlangte. Für Apple User gibt es auch eine Apple Car Play Anbindung. Mit Hilfe aller dieser technischen Helferlein fand ich das Hotel mitten in Treviso ohne Probleme. Wer schon mal in der Gegend war weiß, dass das nicht einfach ist.

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Am Abend war dann noch ein Ausflug nach Venedig geplant. Venedig ist jetzt nicht direkt als autofreundliche Stadt bekannt, ich dachte sogar, dass man dort gar nicht mit dem Auto hinfahren kann, aber nichts destotrotz gab ich Venedig als Ziel in das PCM ein und ab ging es. Die Fahrt dauerte nur 20 min und der letzte Teil über die 4 km lange Brücke „Ponte della Libertà“ war schon sehr beeindruckend. Danach machte sich allerdings Ernüchterung breit. Es gab einen Parkplatz, der natürlich voll war und ein Parkhaus für die Passagiere der Kreuzfahrtschiffe. Um nicht völlig umsonst da gewesen zu sein, stellte ich mich in ein eingeschränktes Parkverbot, 15 min müssen halt reichen. Nach der Runde durch die City bekam ich dann doch Hunger und entschied mich einfach die Parkuhr 15 min weiterzudrehen und ging in das gegenüberliegende Lokal. Es dauerte keine 10 min, bis den herumstreifenden Polizisten auffiel, dass das unauffällige weiße Cabrio schon viel zu lange dort stand und begannen einen Strafzettel auszufüllen. Mist! Ich rannte los und versuchte mit ein paar netten Worten die Polizisten abzuwenden, aber keine Chance. Ganz in Gegenteil. Jetzt wollten Sie auch noch meine Papiere sehen. Beim Ausfüllen des Formulars stellte sich dann etwas Erheiterung ein: ein Auto der Marke Porsche, das dem Eigentümer Porsche gehörte und der dann auch noch am Porscheplatz wohnt, so etwas hat man nicht alle Tage.

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Vielen Dank an Porsche für dieses einmalige Erlebnis!

Martin Fischer

Ich bin Martin und regelmässig für den KlonBlog unterwegs. Wenn es um Autos oder Motorräder geht, bin ich der richtige Ansprechpartner. Hauptberuflich bin ich Softwareentwickler und lebe in Berlin.


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