BVG-Arie: Fahrgäste können von Pleiten, Pech und Pannen ein Lied singen


Berlin, ick liebe Dir. Trotzdem: Keine Liebesbeziehung – und sei der schöne Schein noch so makellos – ist immer Friede, Freude, Eierkuchen. Manchmal kracht’s und gibt’s Krawall. Wichtig ist nur, dass man sich nachher wieder verträgt. Was in den heimischen vier Wänden stimmt, trifft auch auf alle anderen Bereiche zu, in denen Menschen aufeinandertreffen, zum Beispiel im öffentlichen Nahverkehr. Verspätungen sowie überfüllte Busse und Bahnen gehören hier zum Alltag. Und ist dann doch einmal ein Sitzplatz inmitten des Berufsverkehrs zu ergattern, kenne ich mein Glück: Ich fläze mich geradewegs in einen Kaugummi, der nachher klebrig-schöne Fäden zieht. Von solchen und anderen BVG-Erlebnissen könnte ich Dir wahrlich ein Lied singen – und andere Fahrgäste auch.

Tatsächlich übernehmen das die Berliner Verkehrsbetriebe in gewohnt ironischer Manier derzeit selbst. Der offizielle Kanal „Weil wir dich lieben“ nimmt sich auf theatralische Weise den Beschwerden Berliner Fahrgäste an und hat sie in eine Opernarie übersetzt. Stellvertretend schmettern im neuen Clip alle von Oma bis Oli P. ihre unbequemen BVG-Wahrheiten dem YouTube-Publikum um die Ohren. Wow, tatsächlich sind die zahllosen Kommentare von Zuspätkommern und anderen aufgeregten Fahrgästen in den Social-Media-Kanälen der BVG nicht auf taube Ohren gestoßen, sie entfalten jedoch mit der musikalischen Untermalung durch die bekannte Arie „Der Hölle Rache kocht in meinem Herzen“ von der Königin der Nacht in Mozarts Zauberflöte erst ihre Wirkung.

Mit neu betextetem Refrain handelt es sich, typisch für die Berliner Schnauze, bei aller Kritik doch insgeheim um eine Liebeserklärung. Man muss nur zwischen den Zeilen lesen:

Wenn du stets pünktlich wärst, nie dreckig wärst und nicht so unersetzlich wärst, dann hätte man ja nichts mehr zu beschweren und das tun wir nun mal so gern.“

Bereits in der Vergangenheit erklärten die BVG, ebenfalls in Zusammenarbeit mit Jung von Matt, auf gleichsam ironische Weise, bei einem Blick hinter die Kulissen, dass Verspätungen und andere Desaster von langer Hand geplant würden. Manchmal glaube ich immer noch, dass da was dran ist …

Kommentiere den Artikel

Bitte gib deinen Kommentar ein!
Bitte gib deinen Namen hier ein