Das Tagebuch der Mongol Rally von Tim & Lukas – Part 2


Weiter gehts heute mit Teil 2 der Erfahrungsberichte von Tim & Lukas alias The Dukes of Hessen. „Es geht weiter, Russland wartet. Die russischen Autobahnen „Magistrale“ sind besser als erwartet, jedoch ist der Verkehr wahnsinnig: die russischen Fernfahrer halten sich bestimmt an die Abstandsregel „Halber Tacho“, aber so wie die LKWs aussehen sind die Tachos defekt und Null durch Zwei ist ein LKW, der dein Auto besteigen will. So fährst du dann stundenlang über die geflickten Straßen und irgendwann gewöhnst du dich an den Stress und fängst selbst an riskante Manöver zu fahren. Im Stadtverkehr brauchen wir eine Menge Inkompetenzkompensationskompetenz: keine Ahnung was wir da machen, aber wir tun mal so als hätten wir Ahnung. Meist gilt das Recht des Stärkeren, also bremsen wir uns mal vorsichtig in die Kreuzung rein.


Wir machen es wie die Einheimischen und fahren seelenruhig über rote Ampeln und erhupen uns die Vorfahrt. Wenn du ein Auto hast, das sowieso langsam kaputt geht macht das sogar richtig Spaß. Nach zwei Tagen sind wir an der kasachischen Grenze. Das übliche Spiel, wobei wir immer cooler werden mit unserem geschmuggelten Alkohol in Dosen und Zigarren, die für die Ziellinie gedacht sind. Jungs in zu weiten Hemden und zu großen Hüten checken uns durch und lassen uns passieren. Das Wetter wird wechselhafter und die miserablen Straßen überfluten, wobei Aquaplaning auf den Rüttelpisten mal ganz angenehm ist. Wir sind jetzt mittlerweile in Asien. Mitten im Nichts, für hunderte Kilometer nur Ackerlandschaften, riesige postapokalyptische  Industrie- und Militäranlagen oder Steppe mit Sandstürmen. Zum Rest von Kasachstan: sehr nette, freundliche Menschen. Ich halte fest: Je despotischer die Regierung, desto freundlicher die Menschen. Diese Regel sagt nebenbei viel über Deutschland aus.


Das einheimische  Essen kann ich nur empfehlen, da man immer ein Überraschungsmenü bekommt mit unbekanntem Fleisch. Wir haben dabei eine weitere Regel festgehalten: Je schäbiger die Bude aussieht, desto besser ist das einheimische Essen, denn das europäische Essen in Asien ist so europäisch wie Weihnachten koscher ist. Hier in Kasachstan könnte man mit einem guten Restaurant viel Geld verdienen, wenn da nicht die Mafia wäre. Also wie in Deutschland nur da nennt sich das Finanzamt. Wir beschließen nicht die südliche Route in Kasachstan zu fahren, da uns laut der Brotkrümmelkarte, die wir mit einigen Kasachen in einer Bar gebaut haben, nur unwegsame Straßen bevorstehen. Nach einer Woche Kasachstan geht es wieder nach Russland. Durch die hässlichste Stadt der Welt: Rubzowsk – da gibt es keine Schlaglöcher, sondern nur noch Asphaltinseln, die es trotzdem schaffen den kaum vorhandenen Verkehr zu behindern. Wir fahren die Nacht hinein und finden dann irgendwann mitten im Nichts Dank Hilfe eines Russen ein kleines Hotel.

Morgens geht es nach einem Reifenwechsel bei Kurts Alto Richtung Novosibirsk. Eine durchzechte Nacht später geht es Richtung Altaigebirge. Wir kommen aber leider nicht weit, da uns der Deckel vom Kühler wegfliegt. Da stehen wir mit überhitztem Motor an einem Sonntagabend irgendwo im russischen Nichts und müssen unfreiwillig campen. Am nächsten Morgen besorgt Kurt mit Tim gleich zwei neue Deckel in der letzten Stadt, da wir nun in Richtung Mongolei fahren – sicher ist sicher. Auf dem Weg in 2600m Höhe verliert unser Auto an Leistung, wir ignorieren es einfach und kriechen die Berge hoch. Aufgrund unseres Tempos schaffen wir es nicht bis zur Grenze und übernachten in einem idyllischen Tal direkt an einem Fluss. Am nächsten Morgen sparen wir uns den Kaffee und gehen in dem eiskalten Fluss baden – zusammen mit einer Horde Wildpferde.

Im Laufe des Tages erreichen wir die Grenze und lassen das übliche Prozedere über uns ergehen. Zwischen der russischen und der mongolischen Grenze, einer Bürokratiehölle, versagt unser Auto mal wieder. Jammern ist Luxus den wir nicht haben und so geht es nach einer kleinen Abkühlung weiter in die Mongolei. Innerhalb von vier Minuten bricht die Feder von Kurts Alto auf den mongolischen Holperpisten. In der nächsten Stadt Olgii baut uns ein engagierter Mechaniker zwei neue Federn hinten ein – leider aus einem Geländewagen, womit der Alto hinten zwanzig Zentimeter höher steht und die Dämpfer nach wenigen Kilometern abgerissen werden.

Ein Auto das fährt ist nicht kaputt und so schaukelt sich Kurt weiter. Unser Erwin hingegen verliert am ersten Berg so viel Wasser, dass wir ihn in der Stadt abgeben wollen. Jedoch nicht mit mir. Wenn man ihn abkühlen lässt fährt er und so fahre ich gegen den Willen meines Mitfahrers dieses Auto weiter, denn ein Auto das fährt ist nicht kaputt. Wir müssen einfach nur schneller als 60 km/h fahren damit der Motor nicht überhitzt und genügend  Fahrtwind erhält. Mit diesem wahnsinnigen Fahrstil geht es auf ausgefahrenen Pfaden, die man nicht als Straße bezeichnen kann, weiter in die Mongolei rein. Als Regel kann man festhalten: Wenn die Straße gut ist, bist du falsch.

Irgendwo im Nichts treffen wir zwei weitere Teams mit einem Renault und einem Kia aus England. Zusammen mit ihnen campen wir auf 2500m Höhe um am Morgen festzustellen, dass uns die Mongolen den Sprit aus unseren Reservekanistern gestohlen haben. Mit sparsamen Gasfuß geht es weiter nach Altai. Kurts Alto bleibt irgendwann im dritten Gang stecken und muss nun so weiterfahren. Später brennt an unserem Auto irgendetwas. Wir sehen nichts und fahren mal vorsichtig weiter. Der Geruch ist irgendwann weg. Was auch immer da gebrannt hat ist wohl komplett verbrannt. Wobei unser Auto die meiste Zeit aussieht als würde es brennen, da der Sand wie Rauch aus der Lüftung kommt. Am Ende des Tages schaffen es aber alle vier Autos über den Pass nach Altai. Die Kupplung vom Renault versagt genau auf dem Hof der Werkstatt.“

Teil 1

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