Das Tagebuch der Mongol Rally von Tim & Lukas – Part 3

Archiv - 30. Aug. 2012 von Carina // Kommentare

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Heute nun der letzte Teil unseres Erfolgs-Dreiteilers von den Hessen. Unten im Video seht ihr noch einmal die Rally als Timelapse-Video. Jetzt aber erfahrt ihr erstmal die Unterschiede zwischen Deutschen und Engländern, was es in abgelegenen Supermärkten so zu kaufen gibt und wie es „Erwin“ ergeht: „Am nächsten Morgen kann der Mechaniker den Renault nicht reparieren und so machen sich die fünf Jungs aus England mit ihrem Renault auf den Weg. Sie schieben ihren Renault an wie einst die jamaikanische Bobmannschaft und wir stehen daneben und belächeln das Schauspiel, das auf keinen Fall gut enden kann.


Sie schaffen es. Sie schieben das Auto an, laufen hinterher und springen rein, da sie ja nicht mehr anfahren können. So fahren sie ohne Kupplung weiter durch die Mongolei, mit einer gerissenen Ölwanne, die mit einem Stück LKW-Reifen von der Straße geflickt wurde und einem Domlager, das nur zusammengeklebt wurde und die Frontscheibe zerschlagen hat. Dennoch fahren sie. Das zeigt mir, wie deutsch wir sind. Wir Deutschen sind zu verkopft, wir denken zu sehr im Konjunktiv, wir verwenden zu oft hätte, könnte, sollte. In England ist Konjunktiv Zwei nur ein Satz : Keep calm and carry on. Diese Jungs beweisen es. Einen deutschen Mechaniker mitzunehmen ist sinnlos. Was bringt es mir, wenn wir mitten im Nichts stehen und er mir genau sagen kann was defekt ist und ausgewechselt werden muss. Das Wort „neu“ hat beim reparieren jenseits von Deutschland nichts zu suchen.

Was man braucht ist jemand, der aus Bierdosen einen Auspuff bauen kann, der aus einer Plastikflasche einen neuen Tank bastelt oder wie wir, die einfach mit einem Gummiseil die Gangschaltung repariert haben damit die Gänge nicht mehr rausspringen. Denke weniger deutsch – frage dich nicht „Was könnte passieren ?“ sondern wenn überhaupt nur noch „Was ist gerade passiert?“ und kümmer dich dann um das Problem. Mit dieser Einstellung und fünf neuen Teams fahren wir weiter. In einem Supermarkt in der nächsten Stadt verbirgt sich eine komplette Kuh im Tiefkühler – sehr gut, das Geld für die Körperweltenausstellung hab ich somit gespart.

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Der Konvoi fährt weiter bis eines der anderen Autos liegen bleibt und abgeschleppt werden muss. Wir fahren alleine mit Kurt weiter, da wir ja bekanntlich schnell fahren müssen. Leider fahren wir einem mächtigen Unwetter hinterher, das die Straße zu einem Sumpf aufweicht. Wir schaffen es sehr oft gerade so noch durch diese nicht enden wollenden Matschpassagen, jedoch der Alto von Kurt bleibt oft stecken, sodass wir ihn mehrfach freibuddeln und rausziehen müssen. So schaffen wir in zwei Stunden keine fünf Kilometer. Irgendwann stehen wir vor der total weggeschwemmten Hauptstraße und sehen keinen Ausweg mehr.

Genau zu diesem Zeitpunkt erscheint am Horizont der Geländewagen eines anderen Teams, das wir zuletzt in Tschechien gesehen haben. So viel Glück muss man haben! Mit diesem geländegängigen Alleskönner im Konvoi fahren wir beruhigt weiter durch einige Flüsse und Matschlöcher. Nur verschätzen wir uns bei der Tiefe eines Loches und knallen voll rein und wieder raus. Unser 150kg schwerer Dachträger reißt aus der Verankerung und kommt auf der Motorhaube auf. „Erleichtert“, dass uns nichts passiert ist, fahren wir mit dem Nötigsten aus unserem Gepäckträger weiter: mit den beiden Bobbycars „Horst“ und „Hannes“ für die Waisenkinder in Ulan-Bator. Am nächsten Tag fahren wir mit den anderen Teams zusammen Richtung Ulan-Bator. Die letzten Kilometer sind eine Qual, da es permanent auf und ab geht und unser Auto ja immer noch liegen bleiben kann. Aber nach einigen hundert Kilometern Querfeldeinfahrten und Flussquerungen in einer atemberaubenden Landschaft sind wir irgendwann zurück auf Asphalt!

Mit einer enormen Erleichterung und leichter Vorfreude fahren wir im geschlossenen Konvoi  die letzte Strecke unserer 14.000km-Reise. Kurz vor Ulan-Bator campen wir und fahren direkt am nächsten Morgen rein. Den erstickenden Stadtverkehr überlebt unser Auto auch noch und so fahren wir über die Ziellinie, die das Ende unserer halben Weltreise darstellt. Insgesamt neun andere Teams können froh sein, dass wir so deutsch vorbereitet waren: mit unseren Ersatzteilen und Werkzeugen konnten wir ihre Autos wieder flott machen und so auch sie das Ziel erreichen. Erschöpft aber glücklich fallen sich alle in die Arme und feiern sich und die Reste ihrer Fahrzeuge gebührend. Auf unseren Wahnsinn gönnen wir uns eine geschmuggelte Zigarre, die wir mit einer Signalfackel anzünden – wer sowas mal mitgemacht hat, wird es verstehen. Unseren Erwin, der immer noch sehr gut fährt, lassen wir in der Mongolei – er wird bald für einen guten Zweck versteigert.

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Zurück in Deutschland werden wir herzlich von Familie und Freunden empfangen. Zurück im Land Land der Dichten und Denker. Zurück im engen Denken, wo einen alltäglichen Probleme wie ungemähte Rasen, ungefegte Straßen und sonstige Zwangsneurosen vom Leben abhalten. Einerseits sind wir froh andererseits traurig, dass es vorbei ist und wir unser Ziel schon erreicht haben. Ich bin erst 23 und ich weiß, dass man immer ein Ziel vor Augen haben muss. Mein nächstes Ziel ? Vielleicht mit zwei wahnsinnigen Engländern und einer motorisierten Rikscha 3000km durch Indien stolpern. Dies wäre meine zweite Abenteuerreise und damit hält es sich wie mit dem zweiten Kind: man weiß was man ernst nehmen muss und was nicht.

Ich empfehle generell kein Reisebüro für sowas zu ordern, da kann man gleich Mutti fragen ob sie einem die Sachen raus legt. Würde ich die Rally nochmal machen, dann nur mit einer Kreditkarte von der Sparkasse und ab damit zum nächsten dubiosen Autohändler und da das unsympathischste Auto kaufen – alles andere regelt man auf dem Weg, denn eine gute Geschichte lebt von Problemen. Die Engländer sagen: „Wenn nichts schief geht ist alles schief gegangen“ und so sehe ich es auch, denn durch Leid entsteht erst Glück und was ist spannender: Ankommen oder vielleicht ankommen ? Wem so eine Reise zu abenteuerlich ist, lege ich fürs erste ein paar Telekomaktien ans Herz.“

Teil 1
Teil 2


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