„Der Parthenon der Bücher“: Ein Tempel aus 100.000 verbotenen Büchern


Derzeit findet die 14. Ausgabe der documenta sowohl in Kassel als auch in Athen statt. Eine Kunstinstallation sticht dabei besonders hervor, nicht nur weil sie beide Veranstaltungsorte auf clevere Weise verbindet: Der Parthenon der Bücher von Marta Minujín.

Unweit des Fridericianum wurden am 19. Mai 1933 rund zweitausend Bücher auf dem Friedrichsplatz in Kassel verbrannt, Berichten zufolge unter Anwesenheit einer großen Menschenmenge. Der sogenannten „Aktion wider den undeutschen Geist“ fielen zahlreiche jüdische und marxistische Schriften im Zuge der nationalsozialistischen Bücherverbrennungen zum Opfer. Nicht nur in Kassel, auch in anderen Universitätsstädten wurden Bibliotheken gelehrt und Bücher in Brand gesteckt.

1941 fing die Bibliothek in Kassel bei einem Bombenangriff auf die Stadt selbst Feuer. Zurück blieben verkohlte Bücher und das nackte, ausgebrannte Säulenskelett des Fridericianums, das unweigerlich an den Parthenon auf der Akropolis erinnerte. Der Tempel zu Ehren der Göttin Athene – in Personalunion Göttin der Weisheit, der Kunst, des Kampfes und Schutzpatronin des Stadtstaates Athen – avancierte in Zeiten der Aufklärung zum Sinnbild und wurde zum Vorbild für den klassizistischen Baustil.

Die argentinische Künstlerin Marta Minujín ließ sich für ihre Installation ebenfalls vom griechischen Tempelgebäude inspirieren. Die 100.000 um ein Metallgerüst gespannten und in Schutzfolie eingehüllten Bücher wurden von zahlreichen Freiwilligen gespendet. Insgesamt sind 170 klassische und zeitgenössische Titel, die entweder aktuell oder irgendwann einmal in einem Land der Welt auf der Liste verbotener Bücher standen, Teil des Parthenons der Bücher. Mit der Installation möchte die 74-jährige Künstlerin daran erinnern, dass eine Demokratie ohne Bücher keine Demokratie ist. Oder mit den Worten von Heinrich Heine: „Dort wo man Bücher verbrennt, verbrennt man auch am Ende Menschen.“










(via)

1 Kommentar

  1. Hallo,

    sehr guter Artikel über das Parthenon der Bücher auf der documenta 14 mit eindrucksvollen Bildern. Der Tempel der verbotenen Bücher ist eine der Hauptattraktionen auf der documenta.

    Das Parthenon der Bücher ist eine der Attraktionen auf der documenta 14. Mit dem Parthenon der Bücher thematisiert die argentinische Künstlerin Marta Minujín die Zensur und die Verfolgung von Schriftstellern.

    Das Parthenon liegt gegenüber dem Fridericianum und kann von den Besuchern mit einst oder gegenwärtig verbotenen Büchern bestückt werden, welche am Ende der documenta von Lesern und Interessierten mitgenommen werden können.

    Der Parthenon der Bücher ist ein künstlerischer Protest gegen Zensur und Verbot von Kunst und Kultur und klagt zugleich die politische oder religiöse Verfolgung von Künstlerinnen und Künstler an.

    Der Parthenon der Bücher ist ein wichtiger Bestandteil der zeitgenössischen Ausrichtung der documenta 14. Was liegt näher, als eine zeitgenössische Kunstschau zeitgenössisch neu auszurichten?

    Mehr Info:

    Parthenon der Bücher auf der documenta 14Kulturwelt-Blog

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