Die Sache mit dem unsozialen Mindestlohn

Verschiedenes - 20. Sep. 2009 von Andreas // 12 Kommentare

Die Sache mit dem unsozialen Mindestlohn - gig

Noch genau sieben Tage bis zur Bundestagswahl. Noch sieben Tage, bis die politische Richtung in Deutschland neu bestimmt wird. Und nur noch sieben Tage, bis in Deutschland auch über das wohl heisseste Wahlkampfthema entschieden wird – dem Mindestlohn. Und aus aktuellen Anlass verlasse ich hier für einen Artikel mal komplett die kreative Bühne von Marketing und Design und gehe ein wenig auf das ernste und für jeden relevante Thema des Mindestlohns ein.

Mal ganz abgesehen und frei von Parteien und Organisationen, von politischer Ausrichtung und Weltanschauung, von persönlichen Interessen und sozialem Standunkt … das Thema Mindestlohn ist zwar ein höchst emotionales, im Kern geht es jedoch um ökonomische Zusammenhänge und wertefreie Kausalitäten. Und auf diese sollte sich jeder Kritiker und Befürworter des Mindestlohns einlassen, bevor er sich seine Meinung bildet … und dafür ist es eine Woche vor der Wahl auch nicht zu spät.

Woher kommt der Mindestlohn?

Der Mindestlohn ist kompliziert gesagt eine gesetzlich festgelegte Grenze, unter der keine Löhne ausbezahlt werden dürfen. So eine Grenze macht natürlich nur Sinn, wenn sie über dem aktuellen Lohn liegt. Ansonsten hat sie keinen Einfluss auf das Lohnniveau.

Der Mindestlohn, wenn er überhaupt Sinn machen soll, befindet sich also über dem aktuellen Lohn. Und da kommt man schon zu der eigentlich alles entscheidenen Frage: Wer soll die Differenz zwischen dem aktuellen Lohn und dem neuen Mindestlohn bezahlen? Von wem kommen die zusätzlichen 2.50€, wenn der Lohn z.B. bei 5€ lag und nun ein Mindestlohn von 7.50€ kommt?

Für diese Frage gibt es grob gesehen ja nur zwei unterschiedliche Antworten:

1. Der Staat übernimmt die Differenz: Die Frage bleibt aber offen, woher die zusätzlichen Staatsausgaben bei Rekordverschuldung kommen sollen … also sehr unwahrscheinlich.
2. Der Arbeitgeber zahlt den höheren Lohn alleine: Die Frage, die hier aber offen bleibt, ist, woher diese zusätzlichen Löhne nun kommen sollen. In diesen Zeiten, wo sowieso schon versucht wird, jegliche Kosten aufgrund der Krise möglichst gering zu halten, wird sich die Frage für viele Arbeitgeber überhaupt nicht stellen, ob sie nun einen höheren Lohn zahlen oder nicht … sondern ob der Arbeitsplatz bei höheren Lohnkosten überhaupt noch gehalten werden kann.

Klar werden einige Arbeitgeber auch zu der Auffassung kommen, dass die Arbeit, die geleistet wird, für sie eigentlich mindestens die 7.50€ wert ist, und damit die Stelle auch weiterhin beibehalten. Klar ist aber auch, dass es für viele nicht möglich sein wird, diesen höheren Lohn ohne Ausgleich einfach so bezahlen zu können. Die Folge kann sich jeder denken … die Stelle fällt womöglich ersatzlos weg.

Flächendeckender Mindestlohn?

Geplant ist nicht nur ein Mindestlohn für einzelne Branchen, sondern sogar flächendeckend. Heisst soviel wie: Der Rasenmäher geht um und überall muss der Lohn mindestens 7.50€ betragen. Kann das gut gehen? In allen Branchen, egal wie die Wertschöpfung ist, der gleiche Lohn? In allen Gebieten, egal wie hoch das Lohnniveau zurzeit ist, der gleiche Lohn? In Städten, wo die Lebenshaltungskosten und Löhne meist höher sind als auf dem Land, genau der gleiche Lohn? Ohne Rücksicht auf lokale, saisonale oder branchenspezifische Unterschiede? Das kann und wird nicht funktionieren, wie man sich leicht denken kann. In Deutschland herrschen nun mal die angesprochenen Unterschiede, die man nicht mit ein und dem selben flächendeckendem Mittel bekämpfen kann.

Ausland

Zuletzt noch die Sache mit dem europäischen Ausland, die oft angebracht wird. In Frankreich z.B. herrscht ein gesetzlicher Mindestlohn. Nur man muss bedenken, dass die komplette Wirtschaftsordnung eine andere ist. Dort sind die Gewerkschaften längst nicht so stark und einflussreich wie in Deutschland, wo branchenspezifisch und damit auch punktuell mit den Arbeitgebern ein Tariflohn ausgehandelt werden kann.
Oder in England, dort herrscht schon lange ein gesetzlicher Mindestlohn. Zur Zeit der Einführung war die Situation jedoch auch eine komplett andere. Denn dort lagen die Löhne sowieso schon über diesem Mindestlohnniveau. Und solch ein Mindestlohn schadet zwar keinem, er nützt aber nun mal auch niemandem.

Fazit

Der Mindestlohn ist natürlich ein Thema, mit welchem man Andere schnell und gut überzeugen kann. Für mehr Geld in der Tasche ist nunmal jeder, und so ein gesetzlicher Mindestlohn, den man sicher bekommt, hört sich auch ersteinmal fair, sozial und gerecht an.
Doch dahinter stecken Zusammenhänge, wie ich versucht habe etwas aufzuzeigen, die stark daran zweifeln lassen, dass ein gesetzlicher Mindestlohn die gewünschte Wirkung erzielt. Keiner zweifelt daran, dass sich Arbeit lohnen muss. Aber mit einem Mindestlohn wird man dieses Ziel nicht, oder nur selten erreichen können. Denn viele Arbeitsplätze werden durch einen gesetzlichen Mindestlohn wegfallen, da die auf einmal stark ansteigenden Lohnkosten nicht für jeden Arbeitgeber einfach so zu verkraften sind. Und genau für diejenigen, für die der Mindestlohn also eigentlich gedacht war, werden die Leittragenden von dieser Massnahme sein. Der „soziale“ Mindestlohn wird zu einer höchst unsozialen Massnahme.

Punktuelle Lösungen, wie z.B. die Einigung zwischen Gewerkschaften und Arbeitgeber, sind die deutlich bessere und effizientere Lösung … für alle Seiten. Und das dies möglich ist, zeigen unzählige Beispiel in Deutschland.
Denn letztendlich hilft doch nur eines nachhaltig gegen Niedriglöhne: Bildung! Sie hebt uns in einer globalisierten Welt von Nachbarländern oder „Niedriglohnländern“ ab, sie steigert die Wertschöpfung in allen Bereichen und bringt damit das nötige Wachstum, welches auch unsere Löhne steigen lässt. Und dafür sollten wir in genau sieben Tagen stimmen!

(Bild: dgb.de)


12 Kommentare [ Trackback | RSS 2.0 ]

  • Alex C. sagt:

    Sehr guter Artikel! ;)
    Du sprichst genau das Problem an: Mindestlohn hört sich einfach auf den ersten „Blick“ gut und vernünftig. Und weiter denken halt leider viele gar nicht!

  • Peter sagt:

    Interessant auf jeden Fall. Nur ich bin mir nicht sicher, ob die ganzen ökonomischen Theorien dann auch in der Praxis so stimmen. Klar steigen die Lohnkosten für die Arbeitgeber, aber auch sie sind auf die Arbeitgeber angewiesen, nicht nur andersrum. Und ob sie es sich leisten können, einfach so alle Arbeiter, die bisher unter dem Mindestlohn waren, rauszuschmeissen? Schweirige Sache!! :)

  • Kloni sagt:

    @Peter: ja dass Theorien in der Praxis oft dann nicht 1 zu 1 funktionieren, ist ja bekannt. Aber wenn eine „Theorie“ noch nicht einmal theoretisch funktioniert und aufgeht … wie soll sie dann in der Praxis auf einmal funktionieren? Also diese Richtung wäre zumindest neu! ;)

  • Frank sagt:

    @Peter Die meisten werden nicht alle entlassen weil der Lohn ansteigt, aber Aufgaben die vorher 10 Leute erledigt haben lassen sich wenn der Kostendruck zu hoch ist (abhängig davon ob die Preise an die Kunden weitergegben werden können) sicher auch von 9 Leuten erledigen. Die Frage ist ob die gestiegenen Kosten über die Preise weitergegeben werden können spielt da ein entscheidende Rolle. Wenn mein Haarschnitt in Zukunft 22 statt 18 Euro kostet (und das Bier 3,20 statt 3,00, die Mitgliedschaft im Fitnessstudio 32,99 statt 29,99, …) dann geh ich vll nur noch alle 7 statt alle 6 Wochen zum Friseur. Es wird im Endeffekt sicher eine Kombi aus Preissteigerung (die ja auch die Mindestlohnbezieher zahlen müssen) und Entlassungen sein.

  • Daniela sagt:

    Wie bei vielen Abhandlungen zum Thema Mindestlohn sehe ich auch hier eine nicht ganz korrekte Argumentation. „Woher kommt die Differenz, wen der Lohn aktuell 5,- € pro Stunde beträgt und dann 7,50 € sein soll?“ Frage: „Wo kommt die Differenz denn bislang her? Die Menschen, welche bei 5,- € Stundenlohn Vollzeit arbeiten gehen dann auf das Amt und beantragen ergänzendes ALG II. Das wiederum wird von den Steuerzahlern bezahlt, welche ihrerseits ja auch schon arbeiten! Sie zahlen also dafür, dass manche Unternehmen ganz bewusst niedrige Löhne zahlen… DAS ist unsozial! Der Mindestlohn ist zu 100% zu befürworten, weil er dem Lohndumping Einhalt gebietet, weil er den Wettbewerb über den Preis einschränkt und weil er den Menschen hilft, für ihre Arbeit fair entlohnt zu werden. Sogar Unternehmen (siehe Post) kommen von sich aus und fordern von der Politik die Einführung von Mindestlöhnen, weil sonst Billiganbieter über Dumpinglöhne den Markt kaputt machen. Darüber sollte man nachdenken.

  • Kloni sagt:

    @Daniela: Ja ob der Staat diese Differenz jetzt ganz offiziell zahlt, oder eben über das ALG, macht ja keinen Unterschied. Aber das kann ja nicht die Lösung sein, dass der Staat noch was zum Lohn dazuzahlen muss.
    Also sind wir uns einig, dass der Lohn an sich nur von Unternehmen kommen kann. Und da stellt sich für viele Unternehmen einfach nicht die Frage, vor allem auch in diesen Zeiten, ob sie 5€ Lohn zahlen oder 7.50€. Sondern ob sie die Arbeitsstelle bei 7.50€ überhaupt noch halten können. Denn kein Unternehmer wird einen Lohn zahlen, den er sich langfristig nicht leisten kann.

    Und zur Post: natürlich fürchtet sie sich vor Konkurrenz, die womöglich billiger ist als sie und ihr die Stellung streitig macht. Sie nutzt den Mindestlohn nur dafür, ihre Monopolstellung beizubehalten. Dafür nimmt sie halt einen etwas höheren Lohn in Kauf und kann sich diesen eben auch leisten, da sie Monopolist ist, und durch die Preisgestaltung diese höheren Kosten wieder einholen kann.

  • Tom sagt:

    So ein Unsinn.

    Im Moment verdienen eine Menge Dritte an den armen Hunden die für unter 5 Euro die Stunde los müssen. Sobald man einen gerechten Lohn ausbezahlt bekommt sind viele Zeitarbeitssklavenhalter weg vom Fenster.
    Die braucht aber auch kein Mensch.
    Kann ja wohl nicht sein, dass der Staat den Gewinn von so Asi-Unternehmen quersubventioniert.

    Guck dich mal im echten Leben um bevor du so eine arg theoretische Scheisse schreibst.

  • Kloni sagt:

    @Tom: Also wenn du meinst, dass die Arbeitgeber, die jetzt durch die Krise in Zeitarbeit gegangen sind, um die Jobs überhaupt noch zu retten (oder wie du sagst „Zeitarbeitssklavenhändler“) keiner braucht … dann aber gute Nacht!

    Und wenn du wirklich konkrete Gegenargumente bringst, dann kann man daüber diskutieren. Aber dein Kommentar bringt wirklich keinen weiter!

  • feydab sagt:

    Der Trugschluß in deiner Argumentation besteht doch darin, dass im Moment der Staat den Mindestlohn schon zahlt mittels Aufstockung. Viele Arbeitnehmer werden für Dumpinglöhne angeheuert, um dann per Hartz-Aufstockung quersubventioniert zu werden. Bsp. Zeitarbeit, Gastro-Gewerbe oder Reinigungsunternehmen, aber auch Konzerne wie Schlecker oder Kick und Lidl, die sich so ihre asoziale Firmenpolitik vom Steuerzahler bezahlen lassen und alle Versuche der Arbeitnehmerschaft sich zu organisieren im Keim ersticken. Genau deswegen ist dein Hinweis auf die Zuständigkeit der Gewerkschaften eine Farce.
    Dass Arbeitsplätze wegfallen würden, müssten sie per Zwang gerechter (nicht gerecht!) entlohnt werden, ist bloße Mutmaßung, die Erfahrung aus anderen Ländern zeigt allerdings, dass das nicht so ist – schon weil sich die Arbeit eben nicht von selbst erledigt. Ebenso ist der Hinweis auf das unterschiedliche Lohnniveau zweifelhaft, denn mit welchem Recht werden denn im Umkehrschluß gleiche Arbeiten in einem Unternehmen, wie Bsp. VW denn im Moment von Zeitarbeitern wesentlich „billiger“ verrichtet, als von Festangestellten und das auch noch bei eingeschränktem Kündigungsschutz und geringerem Urlaub?

  • […] Die Sache mit dem unsozialen Mindestlohn | KlonBlog […]

  • Willi200 sagt:

    Es wird der deutschlandeinheitliche Mindestlohn von den Arbeitgebern abgelehnt nicht der Branchenmindestlohn. Das die Unternehmen einen fairen Wettbewerb haben wollen ohne Quereinsteiger mit Dumbinglöhnen ist also klar, aber die bisherigen Lösungen der Politik sind halt noch nicht das gelbe vom Ei, da selbst Branchenmindestlöhne enweder Monopolisten wie die Post schützen oder in ärmeren Regionen nicht bezahlbar sind. 18 EUR für einen Haarschnitt bezahlt in Cottbus kein Mensch, höchstens 12,00 EUR. Und das Thema Zeitarbeit ist ein ganz anderes. Da geht es darum das ab einer gewissen Zeit die Zeitarbeiter, wie die festen Arbeiter bezahlt werden müßten.

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