Die surrealistischen Wandgemälde von Claudio Ethos


Der brasilianische Street Artist Claudio Ethos ist, wie viele andere Künstler, die professionell Wände bemalen, ein echter Jetsetter. In jüngster Vergangenheit hat er zehn Tage im Libanon verbracht und drei Wandgemälde in der Nachbarschaft Ouzai in einem Vorort von Beirut hinterlassen. Alle Bilder sind im Rahmen des Festivals Urban Down entstanden und individuell auf die örtlichen Gegebenheiten zugeschnitten worden. Thematisch reflektieren die Bilder sowohl Themen, die gerade den Libanon als auch Brasilien bewegen.

Auf dem ersten Gemälde fällt ein Mann auf die Erde. Mit seinen sechs Gliedmaßen und einem verstörten Blick erinnert er stark an den sich in einen Käfer verwandelnden Gregor Samsa aus Kafkas „Die Verwandlung“. Hilflos in der Menschenidentität und einem Insektenkörper gefangen, wird für Gregor Samsa das Leben plötzlich zu Hölle.

Im zweiten Mural sitzen zwei Personen in einem Boot. Das Motiv des Zyklopen und die mit dem Körper verschmelzenden Wogen wecken Assoziationen mit Homers „Odyssee“ wach, könnten aber auch eine Anspielung auf den Flüchtlingsstrom über das Mittelmeer sein, die ihre ganz eigene Odyssee hinter sich bringen. Schließlich spürt der Libanon als Nachbarland von Syrien die Folgen des dort tobenden Krieges besonders. Kein Land hat mehr syrische Flüchtlinge aufgenommen als der Libanon.

Das letzte Bild mit einem Richter, der die Augen verschließt und dessen Hammer in der Schwebe hängt, bietet eine Reihe von Interpretationsmöglichkeiten, nimmt jedoch wahrscheinlich auf den brasilianischen Coup d’État Bezug, welcher Dilma Roussef de facto aus und Michel Temer als neuen Präsidenten ins Amt geputscht hat.

Zurück in Brasilien, hat Claudio Ethos gleich das nächste Street Art Festival „Concreto“ in Fortaleza abgepasst. Eine in Fragmente zerlegte Figur – vielleicht eine Marionette? – lässt nun ganz verträumt an der Rückseite des Museums für zeitgenössische Kunst von Ceará einen Drachen – oder wie die Brasilianer sagen: „pipa“ – steigen.





Copyright by Claudio Ethos (via)

Kommentiere den Artikel

Bitte gib deinen Kommentar ein!
Bitte gib deinen Namen hier ein