Dritter Daumen: Prothese erweitert natürliche Fähigkeiten des Trägers


In unserer Wahrnehmung sind Prothesen stets ein Ersatz – für ein amputiertes Bein, einen bei einem Unfall abgeschnittenen Finger oder eine andere, zum Beispiel im Krieg, verlorene Gliedmaße – man denke nur an die verheerenden Folgen von Minenexplosionen! Etymologisch betrachtet, handelt es sich bei der Prothese jedoch nicht um einen „Lückenbüßer“, sondern einen Zugewinn. Abgeleitet von der griechischen Vorsilbe „pros“ für „hinzu“ und dem Verb „tithemi“ – „ich stelle, setze, lege“ (davon kommt übrigens auch das Wort „Theke“), handelt es sich also um etwas, das hinzukommt, sozusagen eine sinnvolle Ergänzung.

Im Deutschen ist übrigens das Sigma der Vorsilbe verlorengegangen. So heißt es nur noch „Prothese“. Im Englischen hingegen spricht man auch heute noch von der „prosthesis“. Dieser interessante sprachliche Hintergrund regte die Neuseeländerin Danielle Clode dazu an, der Prothese eine neue Bedeutung zu geben. Die studierte Produktdesignerin entwarf den sogenannten „Third Thumb“ – ein zusätzliches Greifelement für Menschen, die ihre natürlichen Fähigkeiten erweitern möchten.

Der anschnallbare Daumen besteht aus Ninjaflex, einem flexiblen Kunststoff, den der 3D-Drucker ausspuckt. Im Gegensatz zum natürlichen Daumen hat der Third Thumb drei Phalangen so wie unsere Finger. Um den dreigliedrigen Zusatzfinger zu beugen und zum Greifen zu benutzen, wird Druck mit dem Fuß ausgeübt. Im Schuh sitzen nämlich die Sensoren zur Bedienung. So kann man zum Beispiel komplexe Akkorde auf der Gitarre spielen, Zitronen komfortabler mit der Hand pressen oder einfach Dinge besser in Händen halten. Ob wir in Zukunft mehr solcher Prothesen sehen werden?

Controllable Third Thumb lets wearers extend their natural abilities



(via)

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