Ein Bagel, ein Donut, ein Slogan und ein Shitstorm – wenn LIDL um jeden Preis provozieren möchte

Vorbei die Zeit, als man „Produktinformationssendung“ noch synonym zu „Werbung“ verwenden konnte. Was heute über den Schirm flimmert, muss zum Lachen, Weinen oder Provozieren sein. Wahrscheinlich liegt in Werbeagenturen ein Würfel auf dem Schreibtisch, der entscheidet, welches der drei heute gespielt wird. Alea iacta est und LIDL macht mal eben auf eindeutig zweideutig. Postet Bagel und Donut nebeneinander auf weißem Grund mit der knappen Überschrift: „Loch ist Loch“, frei nach dem Motto: Beide Gebäckkringel munden. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt. Oder doch nicht?

In Windeseile wurde der Ruf nach #metoo und Sexismusdebatte laut. Kann doch „Loch ist Loch“ auch so verstanden werden: Egal, mit welcher Frau (oder welchem Mann), Hauptsache Sex. Die Persönlichkeit dahinter interessiert offenbar so wenig wie die genaue Zusammensetzung des Körnermixes auf dem Bagel. Den aufbrausenden Shitstorm nahm LIDL zunächst überraschend gelassen und postete noch Memes mit Popcorn und der Bemerkung: „Haben die Kommentare schon angefangen?“

Die Aufmerksamkeit durch den Aufruhr war offenbar nicht nur gewollt, sondern auch erfolgreich. Ja, bis die ersten verletzten Kommentare hereinschneiten. Schließlich haben 13 Prozent der deutschen Frauen schon einmal strafrechtlich relevante Formen sexueller Gewalt erlebt. Jede vierte Deutsche war schon einmal Opfer häuslicher Gewalt. LIDL scheint mit diesem Social-Media-Vorstoß vor allem eins zu tun: verharmlosen.

Die Geister, die LIDL rief, wurd‘ der Discounter nun nicht mehr los, sah Rot und entschied sich für Rückzug, löschte den Post und entschuldigte sich für den falsch angeschlagenen Ton. Das Bohemian Browser Ballett findet das mehr als inkonsequent und postet seine Version eines möglichen LIDL-Statements, wo man zu dem verzapften Unfug wenigstens gestanden hätte. Aber ehrlich mal, was soll das auch: Erst laut brüllen und dann Schwanz einziehen? Wie peinlich ist das denn, LIDL? Für den Bockmist hätte der Discounter wenigstens gerade stehen müssen.






(via) Copyright Lidl Stiftung & Co. KG

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