So ein Käse! Parmesan-Hypothek, um Kredit aufzunehmen


Wir haben es schon immer gewusst: Not macht erfinderisch. Italien wurde neben Griechenland von den europäischen Ländern besonders hart getroffen und leidet bis heute an den Folgen dubioser Bankenmachenschaften und schräger Spekulationsgeschäfte, die dank Buchgeld – man könnte auch Fantasiegeld sagen – zu einer riesigen Kreditblase geführt hatten, welche irgendwann platzen musste. Einige Banken haben ihre Konsequenzen aus dem falschen Kasinospiel gezogen und besinnen sich heute auf ihr eigentliches Kerngeschäft zurück: Kapital in die Realwirtschaft pumpen.

Für Kurzzeit- und mittelfristige Kredite akzeptiert Magazzini Generali delle Tagliate, eine Tochtergesellschaft des Credito Emiliano, ziemlich ungewöhnliche Sicherheiten. Während andere Banken auf Immobilienhypotheken oder andere Sicherheiten bestehen, kann man hier auch seinen Käse bunkern.

Parmigiano-Reggiano ist eine lokale Spezialität. Der Parmesan muss zwischen zwei bis drei Jahre reifen – eine ideale Zeitspanne für einen Konsum- oder besser: Käsekredit. Um an das Geld für eigene Projekte heranzukommen, muss man lediglich seinen Käselaib in die Bank bringen. Das Kreditinstitut lagert die Parmesan-Räder natürlich nicht neben Goldbarren und Wertpapieren, sondern in einer speziell klimatisierten Lagerhalle. Holzregale bis zur Decke und soweit das Auge reicht! Das etwas andere Gold duftet und schwitzt dort vor sich hin. Käsereien nutzen das Bankangebot übrigens gerne auch, um mangelnde Lagerkapazitäten gegen Gebühr zu überbrücken. In jedem Fall kurbelt das Käsegeschäft der Banken die lokale Wirtschaft an. Eine Idee, die zum Nachmachen anregt. Was kommt als nächstes? Sauerkrautbanken, Weinvorschuss oder Schinkenkredit …?

Visit the Bank that Transacts in Cheese

Die Welt schreibt:

300.000 Parmesan-Käse reifen in dem Lager in Montecavolo di Quattro Castella im italienischen Reggio Emilia heran. Weitere 160.000 schwitzen in einer zweiten Halle bei Castelfranco Emilia. Das Besondere: Die Käsehäuser gehören keinem Käsehersteller, sondern einer Bank.

[…]

Das Finanzhaus akzeptiert den Käse als Sicherheit für Kredite. Außerdem deponiert es ihn für Käsereien, die selbst kein Magazin haben, und kassiert dafür eine Gebühr. Seit 1953 tut es das. Mit großem Erfolg. Die Kreditsumme steigt kontinuierlich. Gleichzeitig verharrt die Ausfallquote auf niedrigem Niveau.

(via)

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