KlonBlog auf Tour: Mit Jaguar beim AvD Oldtimer Grand Prix

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Als die Einladung zum AvD Oldtimer Grand Prix auf dem Nürburgring bei mir eintrudelte, überlegte ich erst einen Moment, ob mich Oldtimer überhaupt interessieren? Beim genauerem Lesen der Einladung stieß ich dann auf die Neuvorstellung des Jaguar F-Type SVR und ab da wurde es dann doch interessant. Die Abkürzung SVR kennen wir schon von Range Rover Sport, bei diesem steht sie für die stärkste und sportlichste Version dieses Models. Also sagte ich zu und was soll ich sagen: es hatte sich gelohnt!

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Vom Flugplatz Köln/Bonn ging es standesgemäß im Jaguar XF S (3L V6 mit 380PS) und Chauffeur zum Nürburgring. Dort angekommen, war ich sehr überrascht über den Andrang. Ich dachte vorher, hier treffen sich ein paar nette Oldtimer-Liebhaber, um Ihre Lieblinge mal ein paar gepflegte Runden auf der Rennstrecke auszufahren. Aber weit gefehlt. Das riesige Nürburgring-Areal war voll mit zehntausenden Menschen und natürlich Autos! Wir brauchten schon ein paar Minuten, um uns durch den Stau um und im Nürburgring zu quälen. Nachdem alle Formalitäten geklärt waren, ging es direkt ins Jaguar Village. Dort standen die alten Bekannten Jaguar XE, XF, XJ und natürlich der F-Type (S und R) und auch ein Range Rover SVR, die wir schon ausführlich testen konnten. Und wie es sich zum Oldtimer GP gehört, durfte auch eine Reihe sehr alter Jaguar Legenden – zum Teil restauriert, zum Teil im originalen Zustand. Als erstes stach die Langnase E-Type in knalligem „Carmen Red“ ins Auge. Dieser basiert auf dem Rennwagen D-Type und wurde nur knapp 2.000-mal gebaut. Der Neupreis lag bei etwa 6.000 Dollar. Heute dürfte das Fahrzeug etwas mehr wert sein. Angetrieben wurde der E-Type wahlweise von einem 3.8 oder 4.2 Liter V8 mit etwa 260PS, das waren 1957 Supersportwagen-Werte.

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Daneben standen zwei XK120 aus dem Jahre 1950, die im Rahmen der „Reborn“ – Initiative von Jaguar Land Rover Classic zeigen, welche Möglichkeiten es gibt, aus einem im Originalzustand befindlichen Fahrzeug wieder etwas Fabrikneues zu machen – innen wie außen. Sehr beeindruckend! Weiter ging es dann mit einem grünen Monster, von Jaguar XJ13 getauft. Ein Supersportwagen-Prototyp aus den 60er Jahren, mit einem zumindest optisch riesigen V12 Motor im Heck. Leider hat jemand irgendein wichtiges Bauteil entfernt, so dass weder ein Soundtest noch eine Probefahrt möglich waren.

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Vor Ort war auch der damalige Testfahrer Norman Dewis, der mit seinen sagenhaften 96 Jahren noch auf der Bühne stand und Geschichten aus der Vergangenheit erzählte. Leider ist dieses Geschoß nie bei einem richtigen Rennen mitgefahren, da das Rennsport Engagement von Jaguar, durch den Zusammenschluss mit MG zur British Motor Corporation im Jahre 1966, deutlich zurückgefahren wurde. Als das Fahrzeug 1971 für Filmaufnahmen wieder aus der Versenkung geholt wurde, passiert das das Unfassbare: bei etwa 220km/h brach eine Hinterradfelge, das Fahrzeug überschlug sich mehrfach und wurde total zerstört. Wie durch ein Wunder blieb Norma Dewis fast unverletzt und konnte uns daher heute noch von seinen Taten berichten.

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Nach dem Mittag ging es dann endlich zu meinem persönlichen Highlight des Tages über: die Testfahrt mit dem F-Type SVR. Diese neue Ausführung des bekannten Luxus Sport Coupés ist der stärkste Serien-Jaguar aller Zeiten und auch für mich sind 575PS das stärkste, was ich je unter meinen rechten Fuß bekam. Zur Auswahl stand das Cabrio in Ammonite Grey und das Coupé in Ultra Blue oder Firesand (Orange). Da fiel mir die Wahl wirklich schwer, zu so einem außergewöhnlichen Auto gehört eigentlich auch eine außergewöhnliche Farbe. Aber wir hatten 25 Grad, stahlblauen Himmel und ich hatte mein Base-Cap dabei, also wählte ich das graue Cabrio.

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Optisch unter scheidet sich der SVR durch diverse Aerodynamik-Anbauteile von den „normalen“ F-Type‘s. Als erstes sticht der riesige aus Carbon gefertigte Heckspoiler ins Auge. Dieser ist optional beweglich und fährt ab ca. 100km/h oder im Dynamik-Modus um etwa 10cm aus. Dieser Spoiler ist keine reine Optik, sondern hat einen ganz praktischen Nutzen. Bei bis zu 322km/h (glatte 200 Meilen pro Stunde!) würde der SVR ohne Spoiler die Bodenhaftung verlieren und nur schwer zu beherrschen sein. Ein weiteres Highlight ist die Auspuffanlage, die so konzipiert ist, dass der Luftstrom unter dem Fahrzeug direkt in den Heckdiffusor geleitet wird und somit für weiteren Abtrieb sorgt. Die Anlage besteht aus zwei getrennten Endschalldämpfer aus Titan. Dieses Edelmetall erlaubt noch dünnwandigere Rohre, was zu einer Gewichts-Ersparnis von etwa 15kg führt.

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Von vorn ist der SVR unverwechselbar durch die dicken Lufteinlässe rechts und links und die markante Lippe von den kleinen Brüdern zu unterscheiden. Und auch von der Seite ist der SVR sofort zu erkennen. Die Lufteinlass-Attrappe wurde gegen ein aerodynamisch optimiertes Seitenteil getauscht, welches den Luftstrom von Motor, Rädern und Bremsen an den Kotflügeln seitlich wieder austreten lässt. Aber gut, genug Details, ab zur Probefahrt. Los ging es recht unspektakulär, der Kollege von Jaguar drückte mir die Schlüssel in die Hand und meinte nur: „Du bist jetzt oft genug Jaguar gefahren. Viel Spaß“. Auf Knopfdruck erwachte dann der V8-Kompressor zum Leben, grummelnd leise aber mit vollem Bass vor sich hin. Zuerst ging es aber im Schritt-Tempo durch das Fahrerlager. Mit 575PS gar nicht so einfach, befürchtete ich, aber weit gefehlt. Der SVR kann auch ganz brav sein und fuhr ganz entspannt durch die Menschenmassen. Wer also Angst hat, seine Nachbarn bei jeder Ausfahrt aus dem wohlverdienten Schlaf zu reißen, kann beruhigt das Fahrprogram „Normal“ wählen und leise durchs Wohngebiet cruisen.

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Keine 2km weiter ging es dann schon los mit den ersten Kurven, wir kennen ja die Eifel bereits aus dem Cockpit des Jaguar F-Pace. Fahrprogram auf Dynamik, Schaltung auf manuell und ab ging die Post. Naja fast, leider war recht viel Verkehr, so dass es nicht abzusehen war, dass ich den SVR mal richtig ausfahren kann. Aber egal, man kann auch im ersten und zweiten Gang Spaß haben. Im Dynamik-Modus öffnet der Jaguar eine Klappe im Auspuff und aktiviert ein softwaregesteuertes Zwischengas, auch Backfire genannt. Damit macht es sogar Spaß den Fuß wieder vom Gas zunehmen. Ein Radio braucht man dann eigentlich nicht mehr, da der Motor quasi in jeder Lage Geräusche von sich gibt. Nichts destotrotz bietet Jaguar zwei Soundsysteme mit bis zu 770W Leistung, Festplattennavigation und Telefon an. Aber das kann man bei einem Luxus Cabrio mit einem Basispreis von 145.400 Euro auch erwarten. Und bei diesem Preis ist noch lange nicht Schluss, es gibt für etwa 7000€ eine Carbon/Keramik Bremsanlage, sowie diverse Carbon Teile innen wie außen, so das man leicht bei 170T€ landet. Ein paar Luxus-Feature fehlen jedoch im Moment noch – zum Bespiel belüftete Sitze. Das ist bei Ledersitzen eigentlich ein Muss, oder Voll-LED Scheinwerfer. Die sehen einfach cooler aus. Da sollte Jaguar meiner Meinung noch nachlegen.

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Nach den ersten Kurven musste mich etwas zügeln, der V8 hat so viel Kraft, das trotz 305er Hinterreifen und serienmäßigen Allradantrieb quasi bei jedem Beschleunigungsvorgang eine blinkende gelbe Lampe im Cockpit darauf hindeutete, dass die Elektronik am Regeln ist und man spürte wie die Kraft des Motors reduziert wurde. Die Macht des großen Motors merkte man leider auch in den Kurven, wo man das Gefühl hatte, dass der Motor mit seine 575 Pferden lieber geradeaus fährt. In welligen Kurven merkte man auch eine leichte Wank-Bewegung- Für mich könnte das Fahrwerk gerne noch etwas härter sein. Wobei man nicht vergessen sollte, das Fahrzeug bringt trotz aller Tricks immer noch 1720kg Leergewicht auf die Waage, etwa 100kg mehr als der F-Type S (3l V6) oder über 300kg mehr als ein Porsche Boxster (2l 4 Zylinder Boxer).

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Ein wahre Freude ist das 8 Gang Automatik Getriebe von ZF, es schaltet schnell und sauber in jeder Lage und vor allem im manuellen Modus sehr direkt. Im Dynamik-Modus gibt es noch eine Art Schaltblitz im Tacho, so dass man nicht unbedingt auf den Drehzahlmesser achten muss und fast intuitiv weiss, wann man in den nächsten Gang wechseln muss. Also insgesamt ein tolles Auto mit einem viel zu großem Motor, aber ich glaube das ist beabsichtig ;-) Wir dürfen also gespannt sein, was die neue neuen Fachabteilung „Jaguar Land Rover Special Operations„ in Zukunft an Modellen entwickelt!

Jaguar F-Type SVR Cabrio in der Eifel

Am zweiten Tag hatte ich dann noch mal Zeit in Ruhe durch das Fahrerlager zu spazieren. Da ich jetzt kein ausgesprochener Oldtimer-Liebhaber bin, erwartete ich nicht allzu viel. Aber was ist eigentlich ein Oldtimer?  Vor 30 Jahren, also bis 1986, gab es doch schon einige Fahrzeuge die man nicht unbedingt mit dem Wort Oldtimer verbindet, wie z.B. die BMW M1, ein Mercedes 190 Evolution oder ein Audi 80 Coupé. Diese Urväter der deutschen Tourenwagen sind für mich alles andere als Oldtimer, aber sie sind es mittlerweile. Und diese Fahrzeuge live zu erleben ist ein Ereignis. Die Leistungsdaten 240PS aus 2L Hubraum würden heute niemanden mehr von Hocker hauen, aber damals war mehr als das Doppelte, als die Serienleistung und vom Sound mal abgesehen. Die Lautstärke der meisten „Oldtimer“ war ohrenbetäubend. Besonders die Formel 1 aus den 70er und 80er hatten einen dermaßen satten Bass das unsere Holz-Tribüne bei jedem Vorbeifahren vibrierte, damit hatte ich tatsächlich nicht gerechnet!

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Christian Danner, Ex-Formel 1 Fahrer und  Jaguar-Markenbotschafter, erzählt uns dann noch etwas über die Zukunft des Rennsports, die Formel E. Zitat:„Jaguar hat eine so große Motorsport-Historie. Dabei ging’s immer ums Gewinnen. Und das traue ich der Marke auch künftig in der Formel E zu.“ Zwar sei bei diesem Motorsport vieles restriktiv festgelegt, jedoch biete die Formel E reichlich Gelegenheit zur Entwicklungsarbeit in Sachen Motor und Getriebe, und genau das mache Jaguar selbst.  „Die Elektro-Rennwagen fahren sich in etwa wie ein Formel-3-Auto. Die Beschleunigung aus dem Stand ist unglaublich, auch die Kurvengeschwindigkeiten mit den breiten Reifen.“. Also Gut, dass es eine Art Sport ist, davon gehe ich auch aus, aber das es tatsächlich Motorsport ist oder wird, so ganz ohne Sound, diesen Beweis blieb er uns leider schuldig, der Formel E Wagen bewegte sich keinen Meter. Ich bin jedenfalls gespannt was hier in den nächsten Jahren passieren wird.

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Auf meinen Streifzügen fand ich dann noch eine ganz selten Perle, den Jaguar F-Type Project7, der gerade noch auf dem Gumball 3000 unterwegs war. Der Project7 ist eine 250 Exemplare limitierte Sonderanfertigung, die an den legendären D-Type erinnert. Die technischen Daten sind vergleichbar mit dem F-Type SVR, 5 Liter V8 mit 575PS und 700NM. Das Fahrzeug ist insgesamt 12cm flacher als der normale F-Type und soll bis zu 300km/h schaffen. Das reichte vor einem Jahr noch, um der schnellste Jaguar aller Zeiten zu sein, das ist also schon Geschichte. Es war trotzdem schön mal einen gesehen zu haben, da natürlich alle Exemplare längst ausverkauft sind.

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Von meiner Seite vielen Dank an Jaguar für die Einladung zu diesem wirklich großartigen Event!

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