„Ooze“ – Animationsfilm über die triefende Einsamkeit, die einem keiner ansieht

Der animierte Kurzfilm „Ooze“ schlägt die Seiten zu einem dunklen Kapitel von Kilian Vilims Leben auf. Wie im Buch: Tatsächlich ist alles schwarz-weiß. Der Filmemacher war damals noch Liftjunge in einem Hamburger Nachtclub. Nach einem Nervenzusammenbruch ist aber Ende im Gelände. Irgendwas muss anders werden. Der Entschluss, Animation zu studieren, ist geboren. Kilian wirft das Handtuch im Club.

Sein Film arbeitet die Zeit bis zu diesem Schritt auf und zeichnet das Bild einer ganz speziellen Einsamkeit, die auch in Gegenwart von anderen Menschen bestehen bleibt. Das passiert, wenn man die fiesen Stimmen nicht mehr aus dem Kopf bekommt und sich mit seinen inneren Dämonen alleingelassen fühlt. Der Fahrstuhl, mit seinen Aufs und Abs, ist die perfekte Metapher. Vor allem wenn gerade mal keiner mitfährt, hat man als Liftjunge viel zu viel Zeit zum Grübeln und kann sich in den eigenen düsteren Gedanken verlieren.

Hinzu kommt, dass der Liftjunge für die Mitfahrenden weitestgehend unsichtbar bleibt und bleiben soll. Der gehört halt zum Inventar wie die Etagennummern auf den Tastern. Die innere Distanz trotz physischer Nähe – ein krasser Widerspruch – spiegelt sich präzise im monochromen Stil wider. Es ist ein Film, der berührt und für den Macher wie ein Befreiungsschlag gewirkt haben dürfte. So muss der Schluss nicht zwingend für Selbstmord stehen, sondern kann auch eine Kündigung bedeuten. Endlich raus aus dem Hamsterrad.

Copyright Kilian Vilim I Teaser Screenshot Vimeo

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