Pokémon Go: Die Schattenseiten des Hypes

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Man musste in den letzten paar Tagen schon mit geschlossenen Augen und Ohren durch die Welt gehen, um nichts von dem unglaublichen Hype mitbekommen zu haben, den das Spiel Pokémon Go gerade auslöst. Die eigene Facebook-Timeline ist praktisch unbenutzbar geworden, weil jeder Bilder von den virtuellen Viechern postet, die er gefangen hat. Und selbst seriöse Medien berichten über die regelrechte Hysterie, die das Mobile Game in der ganzen Welt auslöst.

Dabei ist das Thema durchaus mit einer gewissen Vorsicht zu genießen. Denn bekanntermaßen teilen die Nutzer von Pokémon Go jede Menge Daten mit der Hersteller-Firma Niantic – dass die im Jahr 2010 von Google gegründet wurde und erst seit 2015 unabhängig ist, scheint dabei niemanden zu interessieren. Es ist gar nicht so lange her, da widersprachen jede Menge Facebook-Nutzer den neuen AGBs des sozialen Netzwerks, weil diese den Datenschutz mit Füßen treten. Da löschten die User von WhatsApp das Programm von ihren Smartphones, weil ihre Nachrichten nicht verschlüsselt wurden. Da schwor man sich, nie wieder die Dienste der „Datenkrake“ Google in Anspruch zu nehmen. Und dann musste nur ein Virtual-Reality-Spiel kommen, auf das alle scharf sind, und schon sind ständig aktivierte Kameras, geteilte GPS-Daten und öffentlich gepostete Screenshots mit Personen darauf kein Thema mehr.

Niemand weiß so recht, was Niantic mit den vielen Daten anstellt, die das Unternehmen mit Pokémon Go sammelt. Fakt ist jedenfalls, dass die für das Spiel benötigten Server jede Menge Geld verschlingen. Und das muss natürlich wieder erwirtschaftet werden. So genannte Sponsored Locations, also Orte, an denen Firmen gegen Bezahlung im Spiel ihre Werbung oder andere Inhalte platzieren können, wird es definitiv in naher Zukunft geben, wie Niantic bereits mitteilte. So können beispielsweise Ladenbesitzer Pokémons für ihre Geschäfte „kaufen“ und damit potentielle Kunden anlocken. Mit Sicherheit kann und wird es aber nicht bei dieser einen Einnahmequelle bleiben – wenn da mal nicht die Millionen von Nutzer mit ihren Daten bezahlen…

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Die Fundorte von Pokémons im Spiel werden rein zufällig generiert – und das kann dann gerne mal an Orten sein, an denen das Zocken nicht unbedingt erwünscht ist. So haben sich etwa schon Mitarbeiter vom Holocaust Museum und vom Arlington-Friedhof in Washington D.C. darüber beschwert, dass Pokémon-Go-Spieler dort unterwegs sind. Auch in nicht für die Öffentlichkeit zugänglichen Bereichen von Krankenhäusern und selbst in der KZ-Gedenkstätte in Auschwitz gehen respektlose Gamer auf Monsterjagd. Ähnlich übel ist es auch, dass sich inzwischen auch Kriminelle das mobile Spiel zunutze machen. Da sie dank der Spieldaten genau wissen, wohin die Zocker gehen, um Pokémon zu fangen, lauern sie ihren Opfern dort mit Waffen auf und rauben sie aus.

Aber auch wenn keine Gefahr durch Diebe lauert, birgt Pokémon im Alltag ein gewisses Verletzungspotential. Da viele Spieler nämlich ständig auf das Display ihres Smartphones starren, verlieren sie schnell ihre Umgebung aus den Augen. So ist ein Zocker beispielsweise bei der Monsterjagd in einen Graben gefallen und hat sich am Fuß verletzt. Nun verbringt er die nächsten zwei Monate im Krankenhaus und kann nur hoffen, dass es dort auch ein paar Pokémons zu fangen gibt. Noch schlimmer können Unfälle mit Fahrzeugen ausgehen. Denn nicht nur Fußgänger zocken Pokémon Go, auch viele Autofahrer verzichten am Steuer nicht darauf, immer wieder Ausschau nach Monstern zu halten. Die Polizei München hat auf ihrer Facebook-Seite extra einen Post veröffentlicht, der Gefahren wie dieser warnt, und ebenso vor dem unbefugten Betreten fremder Grundstücke und dem Fotografieren fremder Menschen. Und der Elternratgeber Schau hin! hat eine Pressemitteilung ausgesendet, in der er Eltern Tipps gibt, wie ihre Kinder die App sicher verwenden.

Übrigens hat sich auch der allseits beliebte YouTuber Casey Neistat an den neu aufgeflammten Pokémon-Hype gehängt und ein Video gedreht, in dem er New Yorker nach ihrer Begeisterung für Pokémon Go befragt. Das Pikachu-Kostüm, das er darin trägt, hat er übrigens schon vor einem Monat in China besorgt. Als hätte er geahnt, was kurz darauf in Sachen Pokémon los sein würde…

Pokémon GO – Get Up and Go Trailer

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