Schmeiß die SMS an die Wand


Manchmal sind 140 Zeichen so spektakulär, dass sie alle Welt lesen sollten. Da reicht der Facebook-Status nicht, da soll anonym geschrieben werden, da sollen nicht nur die fiktiven Freunde hören, sondern die ganze Welt. So hoch, so bunt, so grell und so unmittelbar wie möglich: so funktioniert der SMSLINGSHOT…

Schmeiß die SMS an die Wand, haben sich VR/URBAN gedacht, als sie das Gerät entwickelt haben, bei dem sich altes Holz und moderne Technik treffen. Mittels einer Steinschleuder können 140 Zeichen auf Hauswände geworfen werden und erleuchten dort wie in einen Farbball eingeritzt. Schade, dass das Konzept nicht mobil ist. Sonst würde damit eine neue Ära der Streetart beginnen.

VR/URBANS Ziele sind hoch gesteckt. Das uralte Begehren, seine Umgebung zu markieren, ist heute wichtiger denn je, behaupten sie. Jeder sollte die Gelegenheit haben, seine Straßen zu kommentieren, und zwar so schnell und so unmittelbar wie möglich. Poster sind von gestern, weil sie gestern hergestellt wurden und heute schon wieder überholt sind. Das schnelle Leben will den Gedanken von jetzt, gleich, sofort aus dem Kopf an der Wand.

Dazu soll der SMSLINGSHOT dienen. Die Idee ist einfach: Der Bediener tippt seine Nachricht in die Tastatur der Schleuder und zielt auf die Wand. Auf den gewünschten Punkt schmeißt ein Projektor dann die Nachricht in bunter Farbe. Die Illusion ist täuschend echt: Als hätte der SMSLINGSHOT tatsächlich die Nachricht in Farbe an die Wand geworfen. Sie bleibt dort einen Moment, verschwindet wieder. Sich mitgeteilt, den Kopf eine Minute mit der Welt verbunden. Ziel erreicht.

Der SMSLINGSHOT ist bereits um die Welt gereist und hat Wände in Berlin, Madrid und Sao Paolo geschmückt. Das Publikum ist begeistert, VR/URBAN feiert seinen Erfolg und feilt bereits an einem Konzept, den SMSLINGSHOT transportabler zu machen. Denn bis jetzt hindern Projektor und Laptop daran, den SMSLINGSHOT nicht bloß an einem fest installierten Platz zu verwenden. Die Idee, die Wurfschleuder jederzeit aus der Tasche zu ziehen und seine Meinung zum provokanten Graffiti, zur nervtötenden Werbung oder zum anstehenden Event kundzutun, bleibt ein Traum für die Zukunft. Und der Betrachter muss bei den SMSLINGSHOT-Events dann doch immer wieder lächeln: Denn die flüchtigen, spontanen Aufnahmen werden eifrig mit den Smartphone-Kameras dokumentiert. Ein wenig Sehnsucht nach Beständigkeit ist eben doch im Menschen verblieben.

Foto: Christian Zöllner, Photos courtesy Museum of Modern Art

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