Telekom: Warum ich nichts von Frauenquoten halte

Verschiedenes - 30. Mrz. 2010 von Andreas // 7 Kommentare

Telekom: Warum ich nichts von Frauenquoten halte - waw2

Vor gut zwei Wochen hat die Deutsche Telekom lautstark und medienwirksam verkündet, man verpflichte sich dazu, bis 2015 eine Frauenquote von mindestens 30% in der Führungsetage zu erreichen. Die allgemeine Zustimmung für diesen „richtungsweisenden“ Schritt war gross, nicht nur die Frauen haben gejubelt. Und nun möchte ich doch mal die Gelegenheit und die Möglichkeit dieses Blogs nutzen, auch mal ein wenig aufzuschreiben, was ich von dieser Massnahmen halte. Nämlich, um es direkt auf den Punkt zu bringen, rein gar nichts.

Wer jetzt die Überschrift oder nur die ersten Zeilen gelesen hat, wird mich wohl schnell mal direkt als Frauenfeind, der die klassischen Männerdomänen in Gefahr sieht, abstempeln. Deshalb bitte zuerst weiterlesen, bevor ihr hier über mich herzieht! ;)

Mehr Frauen in die Politik, mehr Frauen in die Wirtschaft, mehr Frauen eigentlich überall dorthin, wo die Männer (noch) die Überhand haben. Das sind zusammengefasst so die Forderungen, die durchaus ja auch ihre Berechtigung haben. Aber eine Frauenquote? Für mich eindeutig die falsche Herangehensweise.

Mal wieder zurück zur Telekom. Was sind eigentlich die Gründe der Telekom für eine weltweite Frauenquote? Offiziell werden diese hier genannt:

„Neben der Erweiterung ihres Talentpools verspricht sich die Deutsche Telekom durch mehr Vielfalt im Management langfristig eine höhere Wertschöpfung für das Unternehmen.“ (Pressemitteilung)

Strategische Gründe, und nicht etwa so etwas wie „wir stärken damit die Rechte der Frauen“ etc., stehen hier also im Vordergrund. Mehr weibliche Talente verspricht man sich von dieser Massnahme. Hochschulabgängerinnen sollen die Telekom als attraktiven Arbeitgeber sehen. Die Telekom möchte vermehrt auch Frauen als Führungskräfte ansprechen. Wie soll man auch sonst verstehen, was mindestens 50% aller Kunden, nämlich Frauen, wirklich wollen, welche Bedürfnisse sie haben? Wer versteht dies besser als Frauen selber?
Die Ziele sind also voll und ganz nachzuvollziehen, mehr weibliche Talente anzusprechen und mehr Frauen in der Unternehmensführung zu haben. Aber mit einer Frauenquote? Wo ist da der Zusammenhang? Warum gehe ich nicht lieber an Universitäten und spreche dort vermehrt auch wirklich Frauen an? Mache ihnen klar, wie attraktiv die Telekom als Arbeitgeber ist, wie sehr man auch Frauen in der Führungsetage braucht, veranstaltet Events exklusiv für zukünftige Managerinnen etc. Warum ich dafür eine Frauenquote brauche, ist mit nun wirklich nicht klar.

Und mal ganz ehrlich. Wenn ich eine Frau wäre und bei der Telekom einen Job bekommen hätte … das erste was ich mich doch fragen würde: Habe ich den Job jetzt bekommen, weil die Telekom wirklich von mir überzeugt ist, weil sie mich wirklich braucht, weil ich gute Arbeit geleistet habe und gute Qualifikationen mitbringe? Oder nur, damit ich die selbst auferlegte Frauenquote im Unternehmen mal eben weiter erhöhe? Also wenn das mal nicht ein gelungener Einstieg als Frau bei der Telekom ist … sich womöglich ständig zu fragen, ob man nur aufgrund der Frauenquote hier arbeitet.

Telekom: Warum ich nichts von Frauenquoten halte - waw

Wenn ich sage, ich möchte mehr Frauen in der Führungsetage haben, und dies ja auch aus guten Gründen sage … ja warum tue ich es nicht einfach und stelle mehr Frauen ein? Warum muss ich mir erst so eine Frauenquote auferlegen, die mich bei jeder Personalentscheidung wieder einholt und ich womöglich statt des vielleicht etwas besser qualifizierten Mannes die Frau einstelle, weil ich als Personalchef ja eine Frauenquote zu erreichen habe? Ja wenn das mal nicht kontraproduktiv für das gesamte Unternehmen ist.

Warum sagt man nicht ganz konsequent und mit voller Überzeugung bei jeder einzelnen Personalentscheidung: „Ich stelle den besten Bewerber ein!“ Und ich bin überzeugt, wenn man diesen Grundsatz verfolgt, werden schneller als man denkt genauso Frauen wie Männer eingestellt werden, die Führungsetagen der Unternehmen ausgeglichen sein, und man wird damit auch eindeutig fairer gegenüber den Frauen agieren. Einstellungen, weil man überzeugt von jemanden ist, und nicht, weil man eine Quote erreichen muss.

Aber klar, aus PR-Sicht ist so einen Frauenquote, noch dazu die erste in einem Dax-Unternehmen, natürlich bare Münze wert. Endlich steht man mal wieder mit guten Schlagzeilen in der Zeitung, kann diverse negative Meldungen überstrahlen und sein Image wieder etwas aufpolieren. Aber eben, aus strategischer Sicht macht die Argumentation mit der Frauenquote für mich rein gar keinen Sinn. Sogar im Gegenteil, wie ich versucht habe, etwas zu beschrieben.

So, und nun hoffe ich mal, dass ich hier nicht pauschal als Frauenfeind abgestempelt werde (bei solchen Themen ist das ja durchaus schnell mal der Fall), sondern ihr mir einigermassen folgen konntet, warum ich gegen Frauenquoten in der Wirtschaft, so wie sie die Telekom jetzt eingeführt hat, bin. Nicht weil die Gründe keinen Sinn machen würden, ganz im Gegenteil. Sondern weil das Mittel, dieses Ziel zu erreichen, meiner Ansicht nach schlichtweg das falsche ist.

(Bilder: Kenya Marshall | Women After Work)


7 Kommentare [ Trackback | RSS 2.0 ]

  • Haiko sagt:

    Auf jeden Fall ein interessanter Artikel mit wirklich interessanten Denkansätzen! Mal eine etwas andere Meinung, die aber durchaus Sinn macht.
    Ich denke solang Unternehmen sich selbst solche Quoten setzen, ist das ja ihre Sache. Wenn die Politik anfängt solche Quoten einzuführen, für alle möglichen Bereiche, dann wirds problematisch! Aber davon sind wir, fürchte ich, ja auch nicht mehr allzu weit entfernt.

  • Felix Nagel sagt:

    Wer eine Frauenquote fordert hat nichts verstanden. Was wir in Wirtschaft und Politik brauchen ist eine KOMPETENZQUOTE.

    Die Telekom (speziell T-Sytems) würde dann wohl ziemlich bald — nicht mehr vorhanden sein.

  • Herr Voß sagt:

    Die Frauenquote ist doch eher eine Zielsetzung. Wenn man nicht davon ausgeht, dass Frauen bisher aktiv aus den Führungsetagen herausgehalten wurden, bietet die Quote jetzt die argumentative Hilfestellung für eine Analyse der Gründe. Und wenn es Gründe für die wenigen Frauen gibt, dann kann man die einfacher ausräumen.

    „Kompetenzquote“ ist polemischer Quatsch und zeugt selbst wiederum nicht von Kompetenz…

    • Kloni sagt:

      Aber die Zielsetzung sollte doch lauten, wenn ich der Meinung bin, ich brauche mehr Frauen im Unternehmen: „Ich stelle vermehrt auch Frauen ein“. Und nicht, ich stelle genauso so und so viele Frauen ein, egal was kommt … was die Frauenquote auch impliziert.
      Und für die Analyse der Gründe brauche ich doch auch keine Frauenquote. Ich kann mich mit dem Thema auch befassen, ohne dass ich mir irgendetwas auferlege, was durch die genannten Gründe kontraproduktiv enden kann.

      Kompetenzquote soll doch nur darauf hinweisen, dass es nicht primär darauf ankommen soll, ob männlich oder weiblich, ob gut aussehend oder gross gewachsen. Sondern auf die Kompetenz, die Fähigkeiten sollte es doch letztendlich ankommen. Und da ist in dem Begriff „Frauenquote“ deutlich mehr Polemik enthalten, meiner Meinung nach.

  • Zum Thema Frauenquote im Speziellen und Geschlechterverhältnissen und Geschlechterforschung im Allgemeinen empfehle ich mein Blog „Geschlechtsverwirrung“ http://www.brainlogs.de/blogs/blog/geschlechtsverwirrung

    Im aktuellen Beitrag stelle ich eine Studie vor, die die geringere Neigung von Mädchen und Frauen zum Wettbewerb zeigt. Die geringere Präsenz von Frauen in Führungspositionen ist also wohl nicht, wie landläufig immer behauptet wird, eine Folge von Diskriminierung, sondern hat sehr viel tiefere Gründe.
    http://www.brainlogs.de/blogs/blog/geschlechtsverwirrung/2010-06-28/iza-studie-m-dchen-vermeiden-wettbewerb.-aber-das-soll-ihnen-ausgetrieben-werden

  • Jessica sagt:

    Das Thema scheint derzeit durch den Wahlkampf wieder aktuell geworden zu sein. Ich als Frau halte relativ wenig davon dies per Gesetz oder Festlegung zu bestimmt – letztendlich soll man doch aufgrund seiner Fähigkeiten nach oben kommen und nicht weil man durch eine Quote dazu bestimmt wird…

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