„ZORN“ – Eine Ausstellung von Axl Klein & Amnesty International

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Wir haben den Fotograf Axl Klein aus Saarbrücken zum Interview bestellt. Aufmerksam sind wir auf ihn durch seine aktuelle Ausstellung mit Namen „ZORN“ geworden, in der 55 prominente Persönlichkeiten mit ernster Miene zu sehen sind. Von A wie Axel Prahl bis hin zu W wie Wolke Hegenbarth. Die Serie präsentiert uns die unterschiedlichen Facetten des Zorns von Menschen, die wir sonst anders aus den Medien kennen. Wer Lena & Co. mal von einer völlig anderen Seite sehen möchte, kann noch bis zum 04. November die Ausstellung in Köln besuchen. Zwar wird man hier von zahlreichen zornigen Gesichtern konfrontiert, das Projekt vermittelt allerdings eine positive Message. Welche genau und auch was Amnesty International mit dem Projekt zu tun hat, beantwortet uns Axl ausführlich unten im Interview.

„Aus bitterster Erfahrung zog ich diese eine und höchste Lehre: Man muss den Zorn in sich aufstauen, und so wie gestaute Wärme in Energie umgesetzt werden kann, so kann unser gestauter Zorn in eine Kraft umgesetzt werden, die die Welt zu bewegen vermag.“ Mahatma Gandhi (1869 – 1948)

Mit diesen Worten wird man auf der Website zum Projekt begrüßt. Aber was hat es nun mit den zornigen Portraits auf sich?! Wir freuen uns, dass Axl sofort bereit war, uns einige Frage zum Projekt zu beantworten. Unten im Video gibt es ihn sogar noch in Bewegtbildern.

10 FRAGEN AN AXL KLEIN

01. Axl, erzähl uns kurz etwas über dich und deine Arbeit im Allgemeinen!
Also ich bin Veganer und lebe mit meiner Frau, meinen 2 Kindern (bald 3.. ;-)) und unseren Hunden in Saarbrücken. Während meines Germanistik-Studiums arbeitete ich als Snowboardlehrer in Tirol und begann befreundete Snowboard-Pros für Magazine zu knipsen. Das war mein Einstieg in die professionelle Fotografie. Heute arbeite ich vorwiegend für Werbung und Industrie. Ganz wichtig ist mir aber, dass ich mich immer wieder freien Kunstprojekten widme!

02. Wie kam es zum Projekt „ZORN“?
Zum Einen bin ich fasziniert von Gesichtern – zum Anderen ist da dieses Gefühl Zorn, dass mich schon sehr lange beschäftigt: Ist es gut, ist es schlecht? Was macht es mit uns und was kann es bewirken? Führt Zorn automatisch zu Gewalt?

Oft wird in den Nachrichten von einem zornigen Mob gesprochen und die Kirche hat den Zorn gar zu einer Todsünde erklärt! Aber für mich ist Zorn ein Gefühl, das ich empfinde, wenn ich Unrecht wahrnehme. Er bringt mich dazu etwas zu tun, nicht einfach weg zu sehen! So kam es übrigens auch, dass ich Veganer wurde. Zorn kann also durchaus kreative Impulse geben!

Mit dem Projekt „Zorn“ wollte ich diesem starken, polarisierenden Gefühl ein Gesicht geben. Ich finde es etxrem spannend, wie ungewohnt wir einen zornigen Gesichtsausdruck empfinden. Anfangs habe ich Aufnahmen mit Leuten aus meinem Bekanntenkreis gemacht und viele wurden auf ihren Portraits von ihren Freunden überhaupt nicht erkannt! Dadurch, dass ich Prominente für die Serie portraitierte, wollte ich diesen Verfremdungseffekt nun für ein breites Publikum erlebbar machen.

03. Warum gerade 55 Promis (warum nicht 33 oder 77)?
33 wären zu wenig für ein Buch gewesen – 77 Portraits hätte ich mir nicht leisten können umzusetzen;-). Die Zahl hat keine Bedeutung, sie hat sich nach fast 2 Jahren Arbeit einfach ergeben  und irgendwann musste ich einfach zum Ende kommen.

04. Wie habt ihr diese 55 Promis zusammengetrommelt?
Ganz, ganz viel telefonieren und Mails schreiben. Lief ja fast alles über Künstleragenturen. Und da es sich um ein reines Non-Profit Projekt handelt, gab es da auch nix zu verdienen für die Künstler. Angefragt wurden wohl zwischen 120 und 150. Ganz genau weiß ich es nicht mehr. Und gerade anfangs war es recht schwer, Leute für das Projekt zu begeistern. Zumal es ja durchaus um ein stark polarisierendes, ambivalentes Thema geht und nicht jeder findet sich darin wieder.

05. War es für die Prominenten schwierig beim Shooten eine ernste Miene aufzulegen?
Dem einen oder anderen viel es schon schwer – ist halt auch total ungewoht, bewusst den Zorn mit seiner Mimik darzustellen. Jeder weiß wie er „fröhlich“ zu schauen hat – wir kennen unser Gesicht lachend! Aber zornig kennen wir uns kaum selbst, das war für viele eine richtige Selbsterfahrung.

Während dem Shooting gab es natürlich aber Faktoren, die es dem einen oder anderen schon erleichtert haben, in ein Gefühl des Zorns sich hinein zu versetzen: Laute Musik – oft „Rage against the machine“ oder „Slayer“, bei manchen aber auch Mozart oder Beethoven. Dann war es auch so, dass die Portraitierten manchmal bis zu zwei Stunden direkt vor zwei sehr grellen Lampen standen, um sie herum war sonst alles schwarz abgedunkelt. Auch dies wurde oft als unterstützend empfunden.

Manche haben sich aber auch zwischen den einzelnen Aufnahmen Bilder auf ihrem Smartphone angeschaut, die sie noch mehr emotionalisierten.

Aber die bei dem Projekt entstandenen Portraits sind natürlich nur Interpretationen eines Gefühls. Ein Versuch sich dieser komplexen Emotion, die über Wut, Empörung bis Trauer reichen kann, über die Mimik anzunähern. Zorn bedeutet für jeden etwas anderes – jeder hat da seine ganz eigene Vorstellung. Das gilt auch für den Betrachter der Bilder.

06. In welcher Beziehung steht Amnesty International zum Projekt?
Ich wollte von Anfang an das Projekt aus der Ecke „Zorn = Vorstufe von Gewalt“ herausholen. Ich habe Amnesty zu Beginn ein Exposé des Projekts geschickt und die sahen das ganze genauso wie ich: Zorn ist ein ganz starkes Gefühl, das einen erfassen kann, wenn man Unrecht oder Missstände wahrnimmt. Und aus diesem Gefühl heraus, kann der Mensch zum Handeln motiviert werden. Sozusagen Zorn als Antrieb für Veränderung. Amnesty hat dann die Schirmherrschaft für das gesamte Projekt übernommen und gleichzeitig war mir ganz wichtig, dass der gesamte Erlös aus dem Verkauf der Bilder und mein Buchhonorar an diese wichtige Organisation geht.

07. Welches ist dein schönstes „ZORN“ Portrait aus der Serie? Oder wen würdest du nachts nicht mit solch Gesichtsausdruck begegnen wollen!?
Jedes Portrait hat für mich etwas ganz besonderes, da es mir zeigt, wie unterschiedlich jeder mit Zorn umgeht. Besonders beim Betrachten der 1,60 auf 1,20m großen Portraits in der Ausstellung spürt man die Kraft, die in jedem dieser 55 Portraits steckt. Persönlich sehr spannend finde ich die Aufnahmen, die die Komplexität (Trauer, Empörung, Wut..) dieses Gefühls darstellen, wie z.B. bei Meret Becker.

08. Wo genau kann man die übergroßen Portraits bewundern?
Noch bis 4.11.2013 in den Kunsträumen der Michael-Horbach-Stiftung in Köln und im Frühjahr 2014 wird die Serie im Weltkulturerbe Völklinger Hütte, Saarland gezeigt. Alle Infos dazu stehen auf der Projekt-Seite zorn-projekt.de.

09. Auf welche Anzahl ist die Serie limitiert?
Jedes Bild hat eine Auflage von 5.

10. Was gibt es zusätzlich im dazugehörigen Buch zu sehen?
Im Gollenstein Verlag erschien im September der Bildband ZORN mit einem wirklich sehr spannenden und lesenswerten Vorwort von Roger Willemsen. Er ist übrigens auch mit einem überraschenden Portrait in der Serie vertreten!
Den Aufnahmen sind im Buch jeweils Zitate aus Literatur, Philosophie und Gesellschaft gegenübergestellt, die die postiven Kräfte des Zorns thematisieren. Das Layout des Buchs wurde übrigens von Daniel Hahn, dem Art Direktor der Agentur studio das, die mich vertritt, entworfen und man nimmt es einfach gerne immer wieder in die Hand! J

Danke Axl für deine Zeit und das nette Interview!

Diese Persönlichkeiten gaben der Ausstellung ein Gesicht:
Barbara Auer, Hugo Egon Balder, Dietmar Bär, Gabi Bauer, Frank-Markus Barwasser, Meret Becker, Carolyn Breuer, Peter Brugger, Jochen Busse, Thomas D, Samy Deluxe, Olli Dittrich, Anke Engelke, Herbert Feuerstein, Annette Frier, Chris Geletneky, Gentleman, Wolke Hegenbarth, Swantje Henke, Christoph Maria Herbst, Klaas Heufer Umlauf, Guildo Horn, Carolin Kebekus, Michael Kessler, Henning Krautmacher, Bettina Lamprecht, Leonard Lansink, Markus Lanz, Roman Lob, Peter Lohmeyer, Bjarne Mädel, Matthias Matschke, Lena Meyer-Landrut, Antoine Monot Jr., Silvia Neid, Sonsee Neu, Magdalena Neuner, Wolfgang Niedecken, Matthias Opdenhövel, Patrice, Axel Prahl, Frank Schätzing, Denis Scheck, Andreja Schneider, Nadine Schori, Devid Striesow, Heinz Strunk, Mina Tander, Konstantin Wecker, Oliver Welke, Julia Westlake, Daniel Wiemer, Roger Willemsen, Joko Winterscheidt und Ranga Yogeshwar.

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Fotos: Copyright by Axl Klein / Facebook-Fanpage

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