Zwei Räder im November?! BMW R 1250 GS im Test

BAM ! – da ist sie! „Meine“ BMW R 1250 GS! Na nicht ganz meine aber immerhin ziere ich für die nächsten zwei Wochen den Sattel der größten Schwester in der GS-Familie, um ihr etwas auf den Zahn zu fühlen.

Und ich habe mir einiges vorgenommen. Gleich zu Beginn unserer kurzen Liaison geht’s von Rügen nach Berlin. Ich starte morgens um 6 Uhr bei 3 Grad Lufttemperatur und Nebel. Was für eine Waschküche. Wie Sie sehen, sehen Sie nichts.

Also die Verkleidungsscheibe vollständig nach oben geschraubt und schon liegt mein Helm im Windschatten, so dass ich auch bei 80 km/h entspannt das Helmvisier geöffnet lassen kann, um überhaupt etwas zu sehen. Durch das Navi habe ich eine Ahnung vom Straßenverlauf und die Griffheizung, gepaart mit der sehr guten Fahrerbekleidung (Achtung Werbung! – aber die Ausrüstung ist grad jetzt wirklich Gold wert) lassen mich recht entspannt Kilometer fressen.

Kurz vor Berlin kommt dann tatsächlich noch die Sonne raus – YEAH :)

Da ich auf der Landstraße unterwegs bin, kann ich nun die „Kuh“ fliegen lassen.  Aber keine Sorge. Mit den früheren BMW-Gummikühen und ihrem gewöhnungsbedürftigen Fahrverhalten hat die neue R 1250 GS nichts gemeinsam.

Super stabil folgt sie jedem Lenkimpuls und bringt richtig Spaß! Wie sich dieses Maschinchen um die Kurven werfen lässt! Immer wieder fällt die Kraftentfaltung des Motors auf. Ein Hammer wie souverän die GS von unten rauszieht. Das wird wahrscheinlich auch mit der variable Nockenwellensteuerung „ShiftCam“ zu tun haben. Die 136 Pferde drücken 143 Newtonmeter auf den Asphalt und das ist doch schon mal eine ordentliche Ansage! Mit dem rechten Daumen lassen sich die unterschiedlichen Fahrmodi einstellen. Und nachdem ich morgens ein frühes Eingreifen von ESR, ABS und Co. durch den „Rain-Modus“ bestimmte, kann ich nun mit „Road“ und „Dynamic Pro“ die Physik etwas ausreizen.

BMW R 1250 GS – KlonBlog Test

Leider bin ich der einzige Verrückte mit Motorrad bei diesem Wetter. Ich hätte gerne so mancher Sportler oder Supermoto gezeigt, wozu meine vollverkofferte BMW fähig ist. Apropos Koffer. Im normalen Fahrbetrieb merkt man den mitfahrenden Hausstand kaum. Zugelassen sind die Koffer bis 180 km/h und das machen sie locker mit. Ab 210 km/h beginnt dann ein leichtes Pendeln, so dass ich den Hahn bei 220 km/h (alle Angaben laut Tacho!) abgedreht hab. Wir reden ja immer noch über ein Motorrad, das auch auf Waldwegen eine gute Figur macht und nicht nur für die Autobahn gebaut wurde.

Angekommen in Berlin, hab ich mich mit den Koffern anfangs nicht an mein übliches Drängeln und Nutzen jeder Lücke getraut. Aber Übung macht den Meister und mit jedem Kilometer wird’s lockerer. Dabei fällt auf, dass die Sitzhöhe mit 850mm auch für normal gewachsene Fahrer wie mich (180cm groß) passt. Für alle Fahrer außerhalb des Gardemaßes können ab Werk übrigens auch andere Sitzhöhen zwischen 800 bis 900 Millimeter bestellt werden.

Ich bin echt begeistert wie schnell die R 1250GS und ich eine Einheit sind. Nach drei Tagen habe ich schon knapp 900 Kilometer draufgespult.

Kaum wieder auf Rügen, schlägt der Herbst zu und bringt Wind und Regen. Durch das Laub auf den Straßen und dem Bodenfrost, halte ich mich nun etwas zurück und fahre nur zweimal ins Büro. Ich muss ja keinen Sturz riskieren.

Nach fünf Tagen Standzeit, hat der Wettergott Erbarmen mit mir.

Sonne satt, auch wenn das Thermometer knapp unter 0 Grad anzeigt. Ich will nochmal für eine Runde und einige Fotos in Wald und Heide. Hätte ich mal auf die Warnlampe „Achtung Glätte“ auf dem 6,5 Zoll TFT Display gehört.

Vorsichtig fahre ich einige Feldwege lang und zack!, da liegt er! Irgendwann ist dann auch die tollste Technik im „Enduro Pro“-Modus  an ihren Grenzen und angefrorenes Laub ist wie Schmierseife.

Sofort fängt die GS an zu tuten und ich werde gebeten den SOS Knopf länger zu drücken, falls keine Verbindung zum BMW-CallCenter ausgelöst werden soll. Dieses sogenannte ECALL sollte bei der BMW Zubehörbestellung auf jeden Fall angekreuzt werden, finde ich.

Die 250 Kg lassen sich auf dem glitschigen Untergrund erstaunlich leicht aufrichten und Gott sei Dank sind nur der Motordeckel und mein Ego angekratzt. Also geht’s noch vorsichtiger weiter und folgende Bilder entstehen.

Morgen wird die BMW R 1250 GS wieder abgeholt und ich bin tatsächlich ein wenig traurig. „Meine Dicke“ ist mir ans Herz gewachsen in diesen paar Tagen und das habe ich eigentlich nur bei Motorrädern, an denen ich auch geschraubt hab. Aber die GS ist einfach anders als ein modernes Standardmotorrad. Durch diesen unfassbar druckvollen Motor, ihre einmalige Optik und ihr tolles Fahrverhalten weckt sie bei mir Emotionen und das schaffen nur wenige Motorräder. Einen Teil dazu wird mit Sicherheit auch der HP Akrapovič-Auspuff beim Testmotorrad beigetragen haben, der einen sehr dezenten aber schön dumpfen Klang erzeugt und auch etwas leichter als der Werksendtopf ist.

Übrigens startet die große GS bei gut 16000€. Ich persönlich würde wahrscheinlich im Offroad-Bereich aufrüsten, so dass dann mein finanzieller Rahmen gesprengt sein dürfte. Oder vielleicht doch zur kleineren 850 GS greifen, die ich im Frühjahr testen durfte?

Aber der Motor der großen ist einfach nicht zu toppen –  Ach, da fällt die Entscheidung schwer!

Eine kleine Anmerkung zur Verbesserung muss ich am Ende doch noch loswerden.

Mein Testmotorrad war ausgestattet mit Keyless Start und somit brauchte ich den Schlüssel nur zum Öffnen der Koffer und vom Navigationssystem – Yes, das Navi ist anschließbar! Theoretisch zumindest. Leider waren die Schlösser sehr hakelig, so dass ich das Navi einfach immer abgenommen hab und bei den Koffern immer fummelte. Sicherlich nichts Tragisches aber es passt einfach nicht zum sehr hochwertigen Gesamteindruck von Zubehör und Fahrzeug.

Vielen Dank an BMW Motorrad für die Bereitstellung der Maschine. Dieser Beitrag ist unbezahlt aber mit viel Freude entstanden.

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